Kolumne Liebeserklärung: Korrupt, arrogant, aber aufrecht
Der Fifa-Generalsekretär muss gehen. Er soll sich beim WM-Ticketverkauf bereichert haben. Schade um das ehrliche Arschloch.
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E r mag ein Geschäftemacher sein und korrupt. Er ist ein arroganter Pinsel. Er hat immer den Oberlehrer gegeben. Er hat die WM-Organisatoren behandelt wie Sonderschüler, wenn sie es nicht geschafft haben, für die Fifa die Gesetzgebung des Gastgeberlandes zurechtzubiegen. Jérôme Valcke, der langjährige Generalsekretär des Internationalen Fußballverbands, ist ein Unsympath, wie er im Buche steht.
Jetzt ist er von der Fifa entsorgt worden, muss mit Bestrafung rechnen, weil er sich beim Verkauf von teuren VIP-Tickets etwas abgezweigt haben soll. Auch wenn niemand damit rechnet, dass durch den Rausschmiss des sinistren Superfunktionärs die Fifa auch nur einen Hauch besser wird, freuen sich nicht wenige, dass ein weiterer Funktionär der Weltregierung des Fußballs gefallen ist.
Ja, Valcke hat etwas getan, was er nicht hätte tun dürfen. Aber wem hat er eigentlich geschadet? Den Reichen und Schönen, für die es ohnehin egal ist, wieviel sie für ein Ehrentribünenticket bezahlen müssen? Der Ticketagentur, die sich von der Fifa eine Lizenz zum Gelddrucken gekauft hatte? Oder der Fifa selbst? Na, fließen die Tränen schon?
Dabei gebührt dem Franzosen, so korrupt er auch sein mag, großer Dank. Seine gnadenlose Offenheit, ja Ehrlichkeit der Öffentlichkeit gegenüber, hat manchem erst die Augen geöffnet. Er ist, wenn man so will, ein ehrliches Arschloch. Unvergessen bleibt sein Satz, dass Demokratie bei der Organisation eines sportlichen Großereignisses eher hinderlich sei. Kein Geschwafel über die soziale Kraft des Fußballs, kein fußballerisches Weltverbesserungsgesäusel, keine entwicklungspolitischen Heilsversprechen – dafür die klare Ansage: Für die Fifa läuft es mit den Diktaturen einfach besser.
Vielen Dank also, Herr Valcke, für Ihre offenen Worte! Die Fifa wird ohne Sie ärmer sein. Schade!
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