Kolumne Kapitalozän: Das Ende wird so fightclubmäßig

Die US-Finanzelite hat es nicht leicht: Renditen unter zehn Prozent, Boni unter 100 Millionen. Was löst die nächste Finanzkrise aus?

Wells-Fargo-Chef John Stumpf

Mannmannmann, jetzt müssen sich Banker in den USA auch noch vor Untersuchungsausschüssen rechtfertigen, wie hier Wells-Fargo-Chef John Stumpf. Schlimm Foto: dpa

Timothy Massad kann sehr motorisch reden, fast schon so emotionslos. Langsam, präzise, nicht gnadenlos, nein, unverrückbar. Kürzlich sah ich ihn live, in Washington, bei einer Konferenz, auf der sich die US-Finanzelite versammelt hatte. Man werde von der Politik gegängelt und wolle wieder für Wachstum sorgen, könne aber nicht, hieß es da. Es waren fast ausschließlich weiße Männer zugegen, die davon sprachen, wie sie ihren Kunden dienen, Jobs und Wachstum kreieren möchten und Amerika wieder groß machen wollen. Und Geld verdienen. Aber das geht ja Hand in Hand.

Gegängelt werden sie seit der Finanzkrise. Die Armen taten mir sehr leid. Nur noch 10 Prozent Rendite. Keine 100 Millionen Boni mehr im Jahr. Die Welt ist ein ungerechter Ort. Einer, der sie gängelt, ist jener Timothy Massad, Chef der Commodity Futures Trading Commission, eine der – glaube ich – elf US-Bundesbehörden, die Finanzmärkte zähmen sollen.

Erstaunlich war, dass einige sogar richtig froh schienen, dass es nun diverse neue Behörden und Regeln gibt. Kennen Sie den Film „Fight Club“? Wo Männer sich zu Prügelrunden treffen, einfach um wieder Männer sein zu können? Da tun Regeln not. Wenn auch Finanzmärkte der Ort des gelebten Testosteronüberschusses sind, dann ist es verständlich, dass einige froh sind, dass man da nicht mehr mit Eisenstangen aufeinander einprügelt.

Beim Häppchenessen pilgerte ich zwischen den Finanzheinis umher, fachsimpelte ein wenig über Derivate, Futures und so und stellte bei Gelegenheit die immer gleiche Frage: Was löst wohl den nächsten Finanzcrash aus?

Als Optionen gab ich an:

a) wieder eine Immobilienblase;

b) der chinesische Aktienmarkt;

c) der Euro bricht zusammen;

d) Wolfgang Schäuble;

e) ein Vogel fliegt in Newport Beach, Kalifornien, in die Räume der Investmentgesellschaft Pimco und kackt auf einen WLAN-Router, worauf hin ein verwirrter Algorithmus Anleihen im Wert von 1,9 Billionen Dollar zum Verkauf anbietet, was in 0,2 Mikrosekunden dazu führt, dass andere Algorithmen die gleiche Idee haben und sämtliche Aktienmärkte um 99 Prozent abstürzen;

f) Hacker;

g) der Antichrist.

Einige tendierten zu g), wir sind ja in Amerika. Die meisten aber wählten e) oder f). Vielleicht waren sie von Timothy Massad beeinflusst, der sagte: „Cyberattacken sind die größte einzelne Gefahr für unser Finanzsystem.“ Ein paar Wochen zuvor hatte ich mit dem Chef einer anderen US-Finanzregulierungsbehörde telefoniert, der tippte das auch, wollte sich aber nicht zitieren lassen.

Der nächste Crash kommt also durch eine Cyberattacke. Das läuft so ähnlich wie in „Fight Club“. Da sprengt am Ende Tyler Durden die Zentralen sämtlicher Kreditkartenunternehmen in die Luft. Rappeldibumb fallen die Hochhäuser zusammen und damit auch sämtliche Computer, die den Schuldenstand jedes Menschen kennen. Das ist die Hardwareversion der Cyberattacke. Das Ende ist Tyler-Durden-mäßig. Das finde ich cool.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Beschäftigt sich mit der Corona-Pandemie und Impfstoffen. Sonst viel mit der Frage, ob Kapitalismus öko kann, außerdem Klimawandel und Energiemärkte. Seit 2008 bei der taz, zunächst als Korrespondent in BaWü. Besuchte die Deutsche Journalistenschule und ist Elektroingenieur.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben