Kolumne Gangneung Style

Raus aus der Sportvollzugsanstalt!

Am Gyeongpo-Beach umweht den Olympia-Reisenden ein Hauch von Frühling. Aber warum nur will da kein Taxi hinfahren?

Blick in den Rückspiegel eines Busses auf einer leeren Straße

Landeskunde via Windschutzscheibe: Mit dem Bus auf dem Weg zum Strand Foto: reuters

Nach ein paar Tagen in der Sportvollzugsanstalt (SVA) will man raus. Raus aus der Hochhaussiedlung mit seinen vielen 21-Geschossern, in denen ja allein in Gangneung 6.000 Journalisten wohnen. Heraus aus den Sportstätten mit der immer gleichen Aufmachung. Die Flucht gelingt mit dem Bus TC 3, TC wie Transport Clients. Ich fahre zum Bahnhof von Gangneung, und von dort soll es mit dem Taxi weitergehen zum Strand. Das ist der Plan, und ich denke, das ist ein guter Plan.

Ein Taxi mit grünem Schild auf dem Dach nähert sich. Ich winke es heran, steige neben dem Fahrer ein. Ein älterer Herr nickt mir zu. Ich krame meinen Stadtplan heraus, zeige, wo ich hinwill. Der Taxifahrer schaut sich den Plan an. Zögert. Sagt etwas, was ich nicht verstehe. Ich muss gestehen, dass ich nur ein einziges koreanisches Wort kann. Ne. Das heißt Ja. Nee, ne.

Widerwillen macht sich auf dem Gesicht des alten Taxlers breit. Ich nenne zur Sicherheit den Namen des Strandes: Gyeongpo. Aber das bringt nicht viel. Der Taxler schüttelt den Kopf, macht eine abwehrende Handbewegung und redet auf mich ein. Es ist klar: Dieser Taxler wird mich nicht an den Strand bringen. Aber warum? Was bringt ihn dazu, mich rauszuschmeißen? Ich bin ratlos. Gut, auf dem Stadtplan stehen keine koreanischen Schriftzeichen, aber das sollte doch wurscht sein.

Der Bus ist die Lösung

Keine fünf Minuten später sitze ich in einem anderen Taxi. Die Szene von eben wiederholt sich. Es wirkt wie eine Parodie auf den misslingenden Versuch, Taxi zu fahren. Auch dieser alte Mann will nicht mit mir zum Strand fahren. Was mache ich falsch? Ich gebe auf. Also zurück in die SVA. Aber wie? Wird mich ein Taxler ins Mediendorf bringen? Leichte Panik steigt in mir auf, ich fühle mich lost-in-translation-mäßig. Am Bahnhof finde ich dann einen Bus, der mich aufliest.

Der Bus ist überhaupt die Lösung. Es gibt nämlich die Linie TM 41, die zu einem Medienhotel am Strand fährt. Da hätte ich auch früher drauf kommen können. Ist halt doch besser, wenn man als Olympia-Insasse auf die SVA-Angebote zurückgreift und nicht zum Individualtouristen mutiert.

Am Gyeongpo-Beach ist der Frühling fast schon greifbar. Die Pinien wiegen sich am Board Walk im Wind. In den Aquarien der vielen Fischrestaurants blubbern Krabben, Muscheln und Fische ihrem baldigen Ende entgegen. Koreaner fotografieren sich vor den olympischen Ringen. Gleich dahinter steht ein großer Totenkopf aus Stroh. Diese Symbolik passt ganz gut zu den Olympischen Spielen.

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Seit 1998 mehr oder weniger fest bei der taz. Schreibt über alle Sportarten. Und auch über anderes.

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