Kolumne Europa-Express: Über den Schienen
Sicherheitschecks, Steward*essen und unverschämt teure Snacks: Unsere Kolumnistin lernt an Tag 6, dass sich Zugfahren in Spanien wie Fliegen anfühlt.
D ie Fahrt von Barcelona nach Madrid fühlt sich eher nach Fliegen als Zugfahren an. Und das nicht nur, weil die Bahn so schnell fährt.
Vor dem Betreten des Zugbereichs muss hier jede und jeder zunächst durch einen Sicherheitscheck: Ein Scanner durchleuchtet das Gepäck, eventuell überprüft das Sicherheitspersonal auch noch zusätzlich. 20 Minuten vor der Abfahrt beginnt der Check-In, vorher kommt niemand ans Gleis.
Vom 23. bis zum 26. Mai 2019 wählen die Bürger*innen der EU zum neunten Mal das Europäische Parlament. Im Vorfeld fährt Autorin Jana Lapper sieben Tage lang mit dem Zug durch sechs europäische Länder, um zu schauen, was die Menschen vor Ort tatsächlich bewegt.
Auch erinnern die Mitarbeiter*innen in ihren Kostümen stark an ihre Kolleg*innen in der Luft. Und der letzte Beweis: Snacks und Getränke sind unverschämt teuer – 5,95 Euro für ein normales Sandwich?!
Im Zug geht es weiter: Über den Kopfteilen der Ledersitze liegen halbtransparente Tücher und eine Stewardess – ähm Zugbegleiterin – verteilt Kopfhörer.
Neben mir sitzt Marco, kurze Haare, Mitte 40, aus Turin in Italien. Er reist ähnlich wie ich allein durch Spanien – nur hat er zwei Wochen Zeit, ich hingegen zwei Tage. Auch er wundert sich über die Ähnlichkeit dieser Zugreise mit dem Fliegen. Und er lacht über die Kopfhörer, die ich angenommen habe, weil ich auf den ersten Blick dachte, es wäre etwas Süßes.
Marco redet viel, deshalb vergeht die dreistündige Fahrt dann tatsächlich wie im Flug. Am liebsten philosophiert er ausschweifend über seine Mitmenschen. „Die meisten sind zu materialistisch“, sagt er. „Sie kaufen zu viel Zeug. Und wenn sie sterben, ist dieses Zeug weg.“ Er sammle deshalb lieber „Erfahrungen“. Am Ende seines Lebens will er in jedem Land der Erde gewesen sein. Bisher habe er circa ein Drittel geschafft. Na, ob das wirklich ein nachhaltigeres Lebensziel ist?
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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