Klimaanpassung in Städten : Ein unschätzbares Pfund
Sie sind 100 Jahre alt und doch zukunftsweisend: Osnabrück hat mit den „Grünen Fingern“ einen Vorteil im Klimawandel, den es nicht verspielen sollte.
O snabrück hat mit seinen Grünen Fingern ein enormes Nachhaltigkeitspotenzial, das die Stadt nicht verspielen sollte. Was hier in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts geplant wurde, erweist sich 100 Jahre später als zukunftsweisend und als Vorbild für andere Städte. Der Versuch, diese Struktur zu schützen, sollte nicht dazu führen, dass sie aufgeweicht wird. Wollen Städte weiter wachsen, müssen sie neue Wege finden.
Die Vorzüge grüner Schneisen in eine Stadt hinein, sind augenfällig und auch den heutigen Planern völlig klar. Sie ermöglichen Freizeitaktivitäten und Erholung auf kurzem Wege; sie lassen Regenwasser versickern, bieten Tieren und Pflanzen Raum sich auszubreiten und sie klimatisieren eine Stadt, in der es in den vergangenen 60 Jahren im Jahresdurchschnitt 1,6 Grad wärmer geworden ist. Osnabrücks Grüne Finger sind, um bei dem Beispiel zu bleiben, vorweg genommene Klimafolgenanpassung.
Heißt, die Schneisen zu schützen, auf jedes weitere Wachstum der Stadt zu verzichten? Was ist mit dem Bedarf an Wohnungen, was mit Gewerbeansiedlungen? Die Finger verführen dazu, hier und dort noch ein wenig anzubauen. Wer Klima- und Ressourcenschutz ernst nimmt, muss hier Stopp sagen.
Täglich wird in Deutschland eine Fläche von 76 Fußballfeldern überbaut. Bis 2050 will die Bundesregierung den Verbrauch auf null bringen. Das hieße, für jede Fläche, die bebaut wird, muss eine andere frei gemacht werden. Die Alternative ist, bebaute Flächen intensiver zu nutzen. Es darf nicht sein, dass die Wohnfläche pro Kopf Jahr für Jahr weiter wächst. Gewerbliche Nutzungen müssen gestapelt und Fassaden begrünt werden. Und mit einem begrünten Dach ließe sich vielleicht sogar mal in einer grünen Schneise bauen.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert