Kita-Öffnung trotz Impfstau: „Ich verstehe das nicht ganz“

Die Hamburger Kitas haben den eingeschränkten Regelbetrieb trotz abgesagter Impfungen wieder aufgenommen. Die Eltern sind irritiert.

Ein Mensch in medizinischer Arbeitskleidung zeigt eine Schale mit drei Spritzen.

Die Impfungen lassen auf sich warten, die Kitas müssen trotzdem arbeiten Foto: Roland Weihrauch/dpa

Das Timing hätte nicht ungünstiger sein können. Pünktlich zur Wiederaufnahme des Regelbetriebs in den Kitas hat das Bundesgesundheitsministerium alle Impftermine mit dem Wirkstoff von Astra-Zeneca abgesagt – dem Covid-19-Impfstoff, mit dem sich Kita-Beschäftigte seit zwei Wochen impfen lassen dürfen. Das heißt im Klartext: Das Hamburger Kita-Personal arbeitet bis auf Weiteres ohne vollständigen Impfschutz.

In dem seit Montag laufenden eingeschränkten Regelbetrieb dürfen Kinder mindestens 20 Stunden in der Woche die Kitas besuchen, manche mit besonderen familiären Voraussetzungen auch im vollen Umfang. Dabei sind die 27.500 Beschäftigten in Hamburg bestenfalls einmal geimpft worden und hätten auch noch eine Woche bis zur zweiten Impfung warten müssen, die erst den vollen Schutz gewährt.

Um die Infektionslage trotzdem im Griff zu behalten, müssen sich die Erzieherinnen und Erzieher zweimal in der Woche selbst testen. Die Kinder werden nach Angaben verschiedener Kitas nicht getestet.

„Es gibt ein Testkonzept für das Personal, aber nicht für die Kinder“, sagt Sabine Kümmerle, Geschäftsführerin des Alternativen Wohlfahrtsverbandes Soal, in dem jede fünfte Kita Hamburgs Mitglied ist. Der Sprecher der Sozialbehörde Martin Helfrich sagt, für Kinder gebe es Spucktests. Es stehe den Kitas frei, diese anzubieten.

„Diese Spucktests standen aber nicht zur Verfügung und sind jetzt schwer zu bekommen“, entgegnet Kümmerle. Auch in der privaten Kita Krokophantsie würde man die Tests für Kinder begrüßen, dann wäre das Infektionsgeschehen besser zu sehen: „Wir haben aber kein Material und wissen auch nicht, wie wir das zeitlich leisten sollen“, sagt Kita-Leiterin Gabriela Pätzold.

Also müssen die Kitas zusehen, wie sie zurecht kommen. „Und schon müssen die Kitas wieder jonglieren“, sagt Soal-Geschäftsführerin Kümmerle. „Durch die Pandemiebedingungen ist der Aufwand der Betreuung für das Personal größer.“ Für 40 Prozent der Kinder hätten die Kitas circa 60 Prozent des Personals gebraucht. Wenn jetzt alle Kinder wiederkämen, wären also 120 Prozent der Belegschaft nötig. Mit FFP2-Masken zu arbeiten, sei pädagogisch schwierig, außerdem müsse man dann alle 75 Minuten eine halbe Stunde Maskenpause einlegen.

Manuela Pilz-Ertl, Vorstandsmitglied des Landeselternausschusses, begrüßt die Kita-Öffnung zögernd: „Für Kinder ist die Kita ein wichtiger Bildungsstandort“, sagt sie. „Aber auch ich verstehe die sehr rasche Öffnung nicht ganz.“ Man hätte auch eine schrittweise Öffnung durchziehen können, bis das Personal geschützt sei.

Sie wisse auch, dass es schwer sei, jeder familiären Situation gerecht zu werden, sagt Pilz-Ertl und hätte sich hier mehr Flexibilität und Pragmatismus gewünscht. „Pädagogisches Personal ist systemrelevant, man hätte mit den Impfungen früher beginnen müssen“, findet die Elternvertreterin. Für die Kinder sei es trotzdem wichtig, in eine normalere Lebenssituation zurück zu kehren.

Viele Eltern, denen die Situation in den Kitas zu heikel ist und die entsprechende Kapazitäten haben, lassen ihre Kinder noch zu Hause. So waren in den Elbkinder-Kitas am Montag durchschnittlich 68 Prozent der Kinder in den Einrichtungen, bestätigt Ulrike Muß, die Pädagogische Geschäftsführung des städtischen Kita-Trägers. Personelle Engpässe wegen der größeren Anzahl der zu betreuenden Kinder gebe es nicht, sagte Muß.

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