Kinder fragen, die taz antwortet: Warum stehen in der Zeitung nur schlechte Nachrichten?
Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Emma, 8 Jahre alt.
Das ist eine gute Frage – darüber denken Leute, die in Zeitungen arbeiten, auch immer wieder nach. Und wie oft bei guten Fragen gibt es mehrere Antworten. Eine davon ist die Aufgabe von Zeitungen. Sie sind auch dazu da, die Menschen zu informieren, wenn etwas schiefläuft. Wenn einer mit viel Macht richtig krassen Blödsinn macht, sorgen Zeitungen im besten Fall dafür, dass davon nichts unter den Teppich gekehrt wird. Je krasser der Blödsinn, desto weniger gehört er unter den Teppich. Die Zeitung ist also ein bisschen so etwas wie ein Wachhund, der bellen soll, wenn jemand in Gefahr ist.
Eine andere Antwort hat mit unserem Körper zu tun. Er reagiert stark auf die Gefühle, die schlechte Nachrichten auslösen. Stellen wir uns mal vor, du wärst ein Steinzeitmensch. Diese Steinzeit-Emma muss tierisch aufpassen, dass sie nicht gefressen wird, zum Beispiel von einem Säbelzahntiger. Deshalb schenkt sie den potenziellen Gefahren in ihrer Umgebung besonders viel Aufmerksamkeit.
Die Momente, in denen dein Papa am Esstisch sitzt und Zeitung liest, sind natürlich vollkommen ungefährlich. Unser Gehirn kann aber nicht so gut unterscheiden, ob man einfach schlechte Nachrichten liest oder sich ein echter Säbelzahntiger anschleicht. Beides wirkt unterbewusst wie eine unmittelbare Gefahr auf uns. Unser Körper merkt das und schüttet dann Stoffe aus, die ihn auf Flucht oder Kampf vorbereiten. Unsere Aufmerksamkeit steigt. Forscher haben herausgefunden, dass die Menschen sich deshalb schlechte Nachrichten besser merken können als gute. Außerdem interessieren sie sich mehr dafür. Sie könnten ja überlebenswichtig sein. Das verkauft sich gut.
Der Fokus auf sie kann aber auch gefährlich werden. Wenn man nämlich gute Nachrichten vernachlässigt und die schlechten zu sehr betont, dann machen sich die Leser ein falsches Bild. Sie denken, die Welt wäre schlechter, als sie wirklich ist. Dabei sollen Zeitungen ja versuchen, die Welt genau so zu beschreiben, wie sie ist, und dabei ausgewogen sein. Deine Frage ist deshalb toll, weil sie uns bei der taz spiegelt, wie die Zeitung wahrgenommen wird.
Denn auch Zeitungen machen ihren Job nicht immer perfekt. Vielleicht müssen auch wir mutiger werden und einfach mehr gute Nachrichten einstreuen. Wir versuchen zumindest ein bisschen entgegenzusteuern, indem wir in der wochentaz immer „die gute nachricht“ mit aufnehmen. Schau mal, wo du sie in dieser Ausgabe findest!
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