Kinder fragen, die taz antwortet: Warum heißt es nicht Hundegold?

Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine davon. Diese kommt von Benji, neun Jahre.

Eine Baby-Katze blickt hinter einem Stein hervor.

Mit Katzen und Gold hat Katzengold eigentlich nichts zu tun Foto: dpa

Katzengold ist ein Mineral, das man oft an Ufern von Flüssen findet – schön glitzernd, gerade wenn die Sonne auf es scheint. Doch Katzengold ist gar nicht der richtige Name, es heißt eigentlich Pyrit oder Glimmer. Katzengold sagt man nur so. Aber warum Katzen- und nicht Hundegold?

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Wörter haben oft eine lange Geschichte, die deutsche Sprache entwickelt sich seit dem 6. Jahrhundert, erzählt Sprachforscherin Claudia Wich-Reif, die Professorin an der Universität Bonn ist. Schon im Altdeutschen – also der ältesten Form unserer Sprache – gab es das Wort „Kazzūngold“. So hieß das gelbe Harz von Kirschbäumen. Das war im 12. Jahrhundert.

Doch dann hat sich die Bedeutung des Wortes verändert. Wich-Reif erklärt, dass im 16. Jahrhundert falsches Gold damit gemeint war. Mit echtem Gold hat Katzengold also nichts zu tun, auch wenn es so aussieht.

Und warum Katze? In dem Buch „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ von Johann Wolfgang von Goethe findet sich eine Erklärung: „Weil es falsch ist und man die Katzen auch für falsch hält.“ Mit Hunden wird Treue verbunden, Katzen sind eher Einzelgänger, sagt Wich-Reif. Daher hat man Katzen früher viel Schlechtes nachgesagt, auch wenn sie gar nichts dafür können.

Sprach­for­sche­r:in­nen wie Wich-Reif denken sich nicht aus, woher Wörter stammen, sondern gucken in alten Büchern nach oder versuchen ähnliche Wörter in anderen Sprachen zu finden. Denn oft ist das, was man über ein Wort denkt, gar nicht richtig. Zum Beispiel beim Maulwurf, der ja gar nicht mit seinem Maul gräbt, sondern mit seinen Händen. Früher nannte man das Tier Moltewurf, das heißt so viel wie Erdwerfer. Passt schon viel besser, oder?

Dass aus Kazzūngold Katzengold wurde, ist der ganz natürliche Lauf der Sprache. Kazzūn hieß früher auch Katze, aber irgendwann begann eine Entwicklung, die viele Wörter auf den Buchstaben E enden ließ, wie bei KatzE. Außerdem hat man früher oft einfach so geschrieben, wie man spricht, erklärt Wich-Reif, deshalb auch die zwei Z. Eine feste Rechtschreibung mit Regeln gibt es noch gar nicht so lange.

Wichtig ist: Katzengold ist kein echtes Gold, sondern ein Mineral. Mit Katzen hat das eigentlich nichts zu tun. Eine Erklärung aus dem Volksmund ist trotzdem sehr schön: Katzengold erinnert an das Glitzern von Katzenaugen. Da kommen Hunde nicht heran.

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