piwik no script img

Keine Unterschiede machen

Inklusion Schulen waren das Vorbild: Wie Menschen in Werkstätten, Wohnheimen, Förderschulen lernen können, mit ihrem Konflikt konstruktiv umzugehen

Von Mirko Heinemann

Das Friedensbildungswerk Köln hat ein Konzept erarbeitet, nach dem Menschen mit geistiger Behinderung zu Streitschlichtern ausgebildet werden. „Den Begriff der Inklusion kannten wir damals gar nicht“, erinnert sich Roland Schüler. Als der Geschäftsführer des Friedensbildungswerks in Köln 2003 von einer Werkstatt für Menschen mit geistiger Behinderung angefragt wurde, ob er ein Mediations-Seminar durchführen könne, war für ihn von vornherein klar: „Da machen alle mit.“ Über eine Unterteilung in Mitarbeiter und Betreuer, in Nichtbehinderte und Behinderte hatte der erfahrene Mediator bis dahin überhaupt nicht nachgedacht.

In der Werkstatt war es zu Streitigkeiten gekommen, nachdem neue Mitarbeiter die bis dato fest zusammengeschweißte Gruppe ergänzt hatten. In einem zweitägigen Seminar zeigte Roland Schüler den Betreuern und Mitarbeitern, wie man diese Streitigkeiten mit Hilfe des Verfahrens der Mediation schlichten kann. Schüler hat den Fachbereich Mediation im Friedensbildungswerk Köln aufgebaut, er ist vom Bundesverband Mediation anerkannt. Er hat bereits in Familienangelegenheiten vermittelt, bei Trennungen und Erbschaften, in Nachbarschafts- und Mietkonflikten, in Betrieben – und an Schulen. Die Schulen wurden dann auch zum Vorbild für seine Mediation in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Im Rahmen seines Seminars konnte er Streitschlichter unter den Mitarbeitern gewinnen, ähnlich wie an Schulen, wo Schüler zu Schlichtern ernannt werden, die dann Konflikte unter Mitschülern im Gespräch klären.

Über eine Unterteilung in Nichtbehinderte und Behinderte hatte der Mediator überhaupt nicht nachgedacht

Nach dem Kölner Konzept kann Mediation nun für Menschen mit Behinderung anwendbar gemacht werden. „Menschen in Werkstätten, Wohnheimen, Förderschulen können so lernen, mit ihrem Konflikt konstruktiv umzugehen und nicht erst durch ihre Betreuer, sondern selber eine Lösung zu finden“, sagt Schüler. Für das Konzept gab es 2008 den ersten Preis des Kölner Innovationspreises Behindertenpolitik.

Inzwischen haben mehrere Einrichtungen ihre Mitarbeiter und Betreuer nach dem Konzept ausbilden lassen, in Köln, Mannheim, Schwetzingen, Bad Oldesloe und Oldenburg. Zu Tagungen kamen mehr als 40 Streitschlichter zusammen, um gemeinsam zu diskutieren und dabei auch voneinander zu lernen.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen