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Keine Ruhe für Suharto

■ In Indonesien fordern oppositionelle Politiker den Rücktritt des Präsidenten

Jakarta (AP/AFP) – Angesichts der prekären wirtschaftlichen Lage und der zunehmenden Gewalt auf den Straßen mehren sich in Indonesien die Forderungen nach dem Rücktritt Präsident Suhartos. Der zunächst vorwiegend von Studenten getragene Protest wird jetzt von oppositionellen Politikern aufgegriffen. So appellierte der prominente Muslimführer Amien Rais gestern an das Militär, Suharto die Unterstützung zu entziehen und sich auf die Seite des Volkes zu stellen.

Rais bezeichnete vor Tausenden Anhängern das Regime Suhartos als das korrupteste im ganzen Universum. Er rief die Regierung auf, dem Willen des Volkes nachzugeben und zurückzutreten. An das Militär gewandt sagte Rais, die Streitkräfte müßten sich entscheiden, ob sie weiter den Präsidenten und seine Familie oder das Volk schützen wollten. Das Militär ist die wichtigste Stütze Suhartos. Rais steht an der Spitze der zweitgrößten Muslimorganisation Indonesiens, der Muhammadijah.

Neben Rais forderte auch eine Gruppe ehemaliger Generäle und Minister den Rücktritt des 76jährigen Präsidenten, der seit 32 Jahren in Indonesien herrscht. In einer Erklärung warf die Gruppe Suharto „moralische Dekadenz“ vor. Sie rief die Beratende Volksversammlung auf, die Suharto im März für eine siebte Amtszeit bestätigt hatte, seine Ernennung rückgängig zu machen.

Auf dem G-15-Gipfel der Entwicklungsländer in Kairo kündigte Suharto die Umsetzung der Wirtschaftsreformen an, wie sie der Internationale Währungsfonds als Gegenleistung für weitere Kredite verlangt hat. Für die Bevölkerung bedeute dies jedoch Opfer, erklärte der Präsident. Auslöser der jüngsten Unruhen sind Preissteigerungen nach der vom IWF verlangten Kürzung von Subventionen.

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