: „Keine Anhaltspunkte“ für Motiv
Die VerteidigerInnen von Safwan Eid haben gestern vor dem Kieler Landgericht einen Befangenheitsantrag gegen den Dolmetscher gestellt, der im Frühjahr 1996 die Mitschnitte abgehörter Gespräche Eids in der Untersuchungshaft übersetzt hatte. Er habe nicht allein vom Arabischen auf Deutsch übertragen, sondern eigene Interpretationen hinzugefügt. Dadurch habe er gezeigt, dass er gegenüber Eid voreingenommen sei. Dem Libanesen wird vorgeworfen, im Januar 1996 die Flüchtlingsunterkunft in der Lübecker Hafenstraße in Brand gesetzt zu haben.
Am gestrigen zweiten Verhandlungstag sagte der damalige Betreuer der Unterkunft als Zeuge aus. In dem Haus sei es wiederholt zu Spannungen gekommen. Mit Eid, den er als „besonnen“ bezeichnete, habe es jedoch nie Probleme gegeben. Der Betreuer sagte aus, er sehe daher „keine Anhaltspunkte“ für ein Motiv für eine Brandstiftung Eids. Im Haus, so der Zeuge weiter, sei es mehrfach vorgekommen, dass ein im Erdgeschoss ausgehängter Reinigungsplan an einer Tür angekokelt wurde. Ermittlungen hatten indes ergeben, dass das Feuer entweder in einem Vorbau des Hauses oder im 1. Stock gelegt worden war. Eid war 1997 vom Lübecker Landgericht freigesprochen worden. Wegen eines Verfahrensfehlers wird das Verfahren neu aufgerollt. lno
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