: Kaum pornographisch
Von Illusion und Leere: Nelly Arcan liest heute im Mojo aus ihrem Aufsehen erregenden Debütroman „Hure“
Eine besondere nouvelle vague in der französischsprachigen Literatur glaubte man unlängst auch in hiesigen Feuilletons ausgemacht zu haben. Von harter Pornographie im kulturellen Mainstream wurde geraunt, und die weibliche Urheberschaft war – entsprechend ähnlichen Strömungen im Film der letzten Jahre – daran das eigentlich Aufsehen Erregende.
Zuletzt geriet Nelly Arcan in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit. Ihr Debüt, durchaus spekulativ Hure betitelt, versprach nicht zuletzt eines: Authentizität. Denn wie die Ich-Erzählerin, die Prostituierte Cynthia, ist auch Arcan selbst blond, jung und Literaturstudentin in Montreal – und spielt ganz offen mit der Frage, wie viel Autobiografie in der Geschichte steckt.
Manchem dürfte Hure indes als Mogelpackung erscheinen: Mehr psychoanalytisch als pornographisch motiviert, lässt Arcan Cynthia 200 Seiten lang sprunghaft und atemlos von Illusion und innerer Leere sprechen, von den stereotypen Freiern und der bloß scheinbaren Entschädigung durch das Geld. Dass da auch Geschlechtsorgane und Körpersekrete beim Namen genannt werden, erfüllt voyeuristische Ansprüche wohl kaum.
Alexander Diehl
heute, 20 Uhr, Mojo Club
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