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Katharina Cichosch High & LowFluxusfragen: Hat Ben Patterson die Welt verändert?

Foto: Archiv

Wie besorgt sind Sie über die aktuelle Weltlage? Verfolgen Sie täglich die Nachrichten? Ben Patterson stellt diese Fragen, und er stellte sie schon 2012, anlässlich des 50. Fluxus-Jubiläums im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden.

Dort wurden 1962 die „Ersten Fluxusfestspiele Neuester Musik“ aufgeführt, an denen der US-Amerikaner seinerzeit teilnahm, bevor er viel später ganz in die Hessische Landeshauptstadt zog, was heute noch irgendwie kurios, aber auch passend erscheint, und von dort aus kann man auch die Fragen des Fluxuskünstlers beantworten, als habe er sie uns gerade eben erst gestellt.

Was nicht falsch ist, denn Pattersons Arbeit „Did Fluxus Change the World?“ lässt sich als dauerhafte Installation auf der Website des Nassauischen Kunstvereins anschauen und beantworten. Es ist nicht die einzige, die Ben Patterson der Stadt hinterlässt.

Katharina Cichosch,freie Kunstkritikerin, lebt in Frankfurt am Main.

Fluxus, das hatte gleich dieses Einladende, ohne den Pathos, mit dem einladende, respektive, partizipative Kunst heute so beworben wird. Weil die im Zweifel auch so beabsichtigt ist. Während Fluxus ja den Unsinn und das Sonderbare voranstellt, und ergo auch gar nicht davon ausgeht, dass ein Kunstwerk schon per se zugerichtet sein sollte auf gewisse Zwecke.

Die Idee einer Bar, wie es sie so nicht gibt und auch nie gegeben hat

Auch Ben Pattersons bzw. „Ben’s Bar“ ist gar nicht wirklich darauf ausgerichtet, eine Bar zu sein (wenngleich sie dafür zu besonderen Anlässen schon genutzt, Jargon: aktiviert wurde). Sie schaut anziehend einladend aus, ist aber eher die Idee einer Bar, wie es sie so nicht gibt und auch nie gegeben hat.

Benjamin Patterson, „Ben’s Bar, Why People Attend Bars: To Be Heard, To Be Seen, To Be There“Foto: Christian Lauer

Ein Konglomerat aus Rokoko-Mobiliar, zusammengesucht in den Antiquitätenläden der Canal Street, einem angedeuteten Tresen aus Walnussholz, das der Künstler auf dem Hof seines Freundes Bob Watts in Pennsylvania fand, und zahlreichen Ergänzungen, die nach und nach hinzukamen. Wie der Leuchtschriftzug, der ACME-Fisch oder das Klavier, das Patterson erst für den Nassauischen Kunstverein hinzufügte. 1990 erstmals präsentiert, ist die Installation heute dauerhaft in dessen dritter Etage zu sehen. Der volle Name der Arbeit lautet „Why People Attend Bars: To Be Seen, To Be Heard, To Be There“, und der letzte Part befindet sich als Schriftzug auf den Spiegeln. Gesehen zu werden, gehört zu werden, da zu sein, eine Antwort auf die Frage des Warum, die der Privatmann Ben Patterson als damals aktiver Bar- oder Kneipengänger an sich selbst stellte.

Apropos Zwecklosigkeit und gute Absichten: Neben der Sache mit der Weltlage und den Nachrichten erscheint noch ein anderer Aspekt in „Did Fluxus Change the World?“ tagesaktuell. Die Frage nämlich, ob Kunst die Welt verändern könne – und wer überhaupt ein Interesse daran hat, dies immer wieder zu behaupten. In der Einleitung zu seiner Fragebogen-Installation notiert Patterson mit Skepsis, es gebe Anlass zu glauben, dass, seit der Dämmerung der Menschheit und der „Erfindung von Kunst“, prinzipielles Anliegen des Künstlers bzw. seiner Patrone sei, die „Welt zu ändern“. Und weiter, „als Propagandawerkzeug hat Kunst oft denen gedient, die sich wünschten, die ‚Welt zu ändern‘“.

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