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DER WESTEN GIBT VIEL GELD FÜR TSCHERNOBYL AUS – FÜRS FALSCHEKatastrophale Hilfe

Über 700 Millionen Dollar wollen die westlichen Industrieländer ausgeben für einen neuen Schutzschild um den Katastrophenreaktor von Tschernobyl. Das meiste davon wird wie immer in die Taschen von Bürokraten in der Ukraine fließen. Auch dürften damit einige westliche Wissenschaftlerkarrieren wieder auf Jahre gesichert sein.

Nur weil ein Teil des Geldes versickert, heißt das allerdings noch lange nicht, dass es unsinnig ist, welches zu geben. Schließlich strahlt der Reaktor und seine unmittelbare Umgebung immer noch vor sich hin, und langfristig müssen das Ding nebst seinen stillgelegten drei Nachbarblöcken abgerissen und das hochradioaktive Inventar irgendwo sicher verstaut werden. Große Mengen des Atommülls etwa wurden direkt nach der Katastrophe neben dem Reaktor vergraben – auf Höhe des dortigen Grundwasserniveaus. Probleme zuhauf also, die es anzupacken gilt. Die Frage ist nur: Warum braucht man dafür einen Sarkophag? Bis heute ist offen, wie viele Brennelemente im Reaktor verblieben sind und ob ein Zusammenbruch des nach der Explosion notdürftig abgedeckten Reaktorgebäudes wirklich für die Umgebung eine Katastrophe wäre – geschweige denn für Westeuropa. Und mit dieser Begründung sammelten die Industrieländer immerhin das Geld ein.

Bei Tschernobyl sollte es eigentlich nicht um eine Vermeidung der – wohl geringen – weiteren Gefahr für uns reiche Westeuropäer gehen, sondern vielmehr um Hilfe für die nachweisbar und noch auf Jahrzehnte geschädigte Bevölkerung in den 1986 verstrahlten Gebieten Weißrusslands, Russlands und der Ukraine. Dort können zum Beispiel mit relativ geringen Mitteln 80 Prozent der an Schilddrüsenkrebs erkrankten Menschen geheilt werden. Doch dafür spendieren die westlichen Regierungen praktisch nichts. Leider ist ein Umlenken der Finanzmittel auf die medizinische Hilfe wenig wahrscheinlich: Denn alle bisher beteiligten Fachleute und diverse Minister der westlichen Industriestaaten würden damit eingestehen, dass sie bislang einen Riesenfehler gemacht haben. REINER METZGER

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