Kai Wegner im Stromausfall: Kaum Arbeit vor dem Tennismatch
Der Regierende Bürgermeister hat vor seinem berühmten „Kopf-frei-bekommen“ offenbar weniger telefoniert als behauptet. Fragen dazu blockt er jedoch ab.
Hat Kai Wegner ein zweites Mal gelogen? Neue Recherchen des Tagesspiegels deuten darauf hin, dass der Regierende Bürgermeister am Tag des verheerenden Stromausfalls Anfang Januar im Südwesten Berlins deutlich weniger zum Krisenmanagement beigetragen hat als angegeben.
Dabei hatte Wegner bereits einen mittelschweren Politikskandal ausgelöst. Gegenüber Journalist:innen hatte er seine Abwesenheit am 3. Januar mit der Aussage begründet, er hätte sich den ganzen Tag „zu Hause eingeschlossen“ und gearbeitet.
Später kam durch Recherchen des RBB heraus, dass er am Samstag Nachmittag noch eine Stunde Tennis mit seiner Lebensgefährtin Katharina Günther-Wünsch (CDU) gespielt hatte. Wegner rechtfertigte sich damit, er haben „einfach den Kopf freikriegen wollen“, weil er schon vor dem Tennismatch mit Krisenstäben, dem Netzbetreiber Stromnetz Berlin und mit der Bundesregierung geredet habe.
Unterlagen entkräften Aussagen
Nun konnte der Tagesspiegel vor dem Verwaltungsgericht die Herausgabe von Informationen über die Kommunikationsabläufe Wegners an dem Tag erwirken. Die Senatskanzlei hatte dies zunächst verweigert.
Demnach haben Telefonate mit der Bundesregierung und der Stromnetz Berlin nicht vor dem Tennismatch am Samstagmittag stattgefunden. Wegner chattete lediglich kurz mit Innensenatorin Iris Spranger (SPD), telefonierte kurz mit der Senatskanzlei und Teilen des Krisenstabs. Über den Vormittag war der Regierende laut der Recherche wohl über Stunden für Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) nicht erreichbar. Ein Austausch mit der Bundesregierung und der Stromnetz Berlin fand erst am Nachmittag, nach dem Tennisspiel, statt.
Bei der Pressekonferenz nach der Senatssitzung am Dienstagmittag reagierte Wegner erkennbar genervt und einsilbig auf Fragen von Journalist:innen zu den neuen Enthüllungen. „Die Interpretation des Tagesspiegels entbehrt jeder Grundlage“, er werde „juristische Schritte prüfen“ lassen, sagte Wegner mehrfach. Auf mehrere Nachfragen, wo die Zeitung „interpretiert“ habe, schließlich gehe es um Auskünfte der Senatskanzlei zu seinem Zeitplan am 3. Januar, die mit seinen eigenen Äußerungen divergieren, wiederholte er immer wieder, er habe seither mehrfach erklärt, dass er „mit diversen Stellen im Austausch war“. Auch Nachfragen, welche Stellen das konkret zu welchem Zeitpunkt waren, wollte er nicht beantworten. „Dazu ist alles gesagt“, sagte er immer wieder.
Die Opposition wirft Wegner vor, er habe seine Prioritäten falsch gesetzt und die Öffentlichkeit getäuscht: „Es schadet nicht nur dem kaum vorhandenen Vertrauen in Kai Wegners Regierung, sondern auch dem Vertrauen in die Demokratie als Ganzes“, sagt Werner Graf, Fraktionsvorsitzender der Grünen am Dienstag.
Der Artikel wurde nach der Senatspressekonferenz, die um 14 Uhr begann, aktualisiert.
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