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Kämpfe nach Tod von Drogenboss25 Nationalgardisten in Mexiko getötet

Nach dem Tod von Drogenboss El Mencho eskaliert die Gewalt. Das ist die aktuelle Lage in Mexiko.

Zu Zwischenfällen kam es auch in der Stadt Guadalajara, die einer der drei mexikanischen Austragungsorte der Fußball-WM 2026 ist Foto: Refugio Ruiz/AP/dpa

dpa/ap/taz | Nach dem Tod des Anführers des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación (CJNG), Nemesio Rubén Oseguera Cervantes, ist es im Bundesstaat Jalisco zu blutigen Gefechten gekommen. Mindestens 25 Nationalgardisten seien bei sechs unterschiedlichen Angriffen getötet worden, sagte Sicherheitsminister Omar García Harfuch am Montag.

In zahlreichen Bundesstaaten des Fußball-WM-Gastgeberlandes steckten die Gefolgsleute von Nemesio Oseguera Cervantes alias „El Mencho“ Autos in Brand und blockierten zahlreiche Straßen. Zudem griffen mutmaßliche Kämpfer des Drogenkartells Banken, Tankstellen und Geschäfte an.

Präsidentin Claudia Sheinbaum rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Das Chaos ließ knapp vier Monate vor Anpfiff die Bedenken über Mexiko als WM-Ausrichter wachsen. Das Land richtet ab Juni gemeinsam mit den USA und Kanada die Fußball-Weltmeisterschaft aus. In Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey werden insgesamt 13 Spiele ausgetragen.

Geheimdienstinformationen aus den USA

Bei dem Militäreinsatz am Sonntag gegen „El Mencho“ – der Spitzname soll eine Ableitung seines Vornamens Nemesio sein – kamen nach Angaben des mexikanischen Verteidigungsministeriums in Tapalpa in Jalisco sieben Bandenmitglieder ums Leben, darunter der Drogenboss selbst. Er erlag seinen Verletzungen, als er nach Mexiko-Stadt geflogen wurde.

Bei dem Einsatz wurden zwei mutmaßliche Kartellmitglieder festgenommen. Zudem stellten die Sicherheitskräfte gepanzerte Fahrzeuge und Waffen sicher, darunter einen Raketenwerfer, mit dem nach Angaben des Verteidigungsministeriums sogar Hubschrauber oder Flugzeuge abgeschossen werden können.

Die USA hatten die mexikanische Regierung bei der Operation mit Geheimdienstinformationen unterstützt, wie Karoline Leavitt, die Sprecherin von Präsident Donald Trump, in einem Post auf X schrieb. US-Vize-Außenminister Christopher Landau sprach von einer guten Entwicklung für Mexiko, die USA und Lateinamerika. „Die guten Leute sind stärker als die schlechten Leute“, schrieb er auf X. Die USA hatten eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar (rund 12,7 Mio. Euro) auf „El Mencho“ ausgesetzt.

Botschaften rufen Staatsbürger zu äußerster Vorsicht auf

Von den gewalttätigen Reaktionen auf den Tod des Drogenbosses sollen etwa 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten betroffen sein, darunter Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato, berichteten mexikanische Medien. Dabei habe es Tote und Verletzte gegeben, eine offizielle Zahl gab es dazu zunächst nicht.

Auch Ferienorte wie der ebenfalls in Jalisco gelegene Küstenort Puerto Vallarta blieben nicht verschont. Fotos zeigten etwa große schwarze Rauchwolken zwischen Gebäuden in Puerto Vallarta direkt hinter dem Strand. In ihrem Post schrieb Präsidentin Sheinbaum allerdings: „In den meisten Teilen des Landes laufen die Aktivitäten ganz normal weiter.“

Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. Auch mehrere Botschaften, darunter die deutsche Vertretung in Mexiko, appellierten an ihre Staatsbürger, extrem vorsichtig zu sein. Wer sich an einem sicheren Ort wie einem Hotel aufhalte, solle dort bis auf Weiteres bleiben und auf nicht unbedingt erforderliche Fahrten verzichten, schrieb die deutsche Botschaft auf X.

Aus Sicherheitsgründen strichen Fluggesellschaften ihre Flüge oder leiteten sie um, darunter Verbindungen nach Puerto Vallarta. Von der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa hieß es indes, bei ihr gebe es mit Blick auf die Unruhen in Mexiko keine Auswirkungen. Flüge nach München und Frankfurt fänden planmäßig statt.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands hielten sich in den betroffenen Regionen keine Gäste von deutschen Reiseveranstaltern auf. Diese reisten vornehmlich auf die Halbinsel Yucatán mit dem bekannten Badeort Cancún, der an der Karibik liegt. Puerto Vallarta befindet sich dagegen an der Pazifikküste.

Auch Austragungsort der diesjährigen Fußball-WM betroffen

Zu Zwischenfällen kam es auch in der Stadt Guadalajara, die einer der drei mexikanischen Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist. Rund 1.000 Menschen aus anderen Bundesstaaten verbrachten die Nacht im Zoo von Guadalajara, weil eine Rückfahrt in ihre Heimatorte angesichts der unsicheren Lage zu gefährlich gewesen wäre.

„El Mencho“ wurde 59 Jahre alt. Geboren am 17. Juli 1966 in Aguililla, einer armen Gemeinde im westlichen Bundesstaat Michoacán, führte der Ex-Polizist seit 2011 das von ihm gegründete Drogenkartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) an. In der mexikanischen Unterwelt wurde er wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe der „Herr der Hähne“ genannt. Zahlreiche Narco-Lieder, „Narcocorridos“ genannt, feiern seine kriminellen Machenschaften.

Die US-Regierung hatte das extrem gewalttätige Drogenkartell von „El Mencho“ als ausländische Terrororganisation eingestuft. Das von ihm geführte Verbrechersyndikat ist nach Angaben der US-Behörden eine transnationale Organisation mit Verbindungen bis nach China und Australien. Neben dem Handel mit Fentanyl ist es demnach auch in Erpressung, Schleusung von Migranten, Diebstahl von Öl und Mineralien sowie Waffenhandel verwickelt. In Mexiko gilt es als das Kartell mit der größten geografischen Verbreitung. Kämpfer der Gruppe posierten mitunter in Uniformen und mit Sturmgewehren vor gepanzerten Fahrzeugen.

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