Israel geht gegen Hisbollah-Tunnel vor

Sprengfallen als Schutzschild

Das israelische Militär hat zwei Hisbollah-Tunnel an der libanesischen Grenze entdeckt. Dass es sie gibt, ist ein Armutszeugnis für die UNO.

In Israel ist ein Bagger an einer Mauer

Ist wohl fündig geworden: israelischer Militärbagger an der Grenze zum Libanon Foto: dpa

JERUSALEM taz | Erneut fündig geworden sind israelische Soldaten auf der Suche nach Tunnel, die die schiitische Terrororganisation Hisbollah im Grenzbereich zwischen Israel und dem Libanon buddelt. Einer von zwei neu entdeckten unterirdischen Gängen soll inzwischen mit Sprengfallen versehen sein, teilte ein Sprecher der Armee mit. Damit könne er nicht mehr betreten werden und stelle keine Gefahr mehr für israelische Anwohner dar.

Bereits in der vergangenen Woche stießen Soldaten bei ihrer Suchaktion mit dem Titel „Operation Nördlicher Schutzschild“ auf einen geheimen Gang. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu kündigte an, „die Hisbollah-Tunnel systematisch und entschlossen zu zerstören“. Israelische Soldaten feuerten am Samstag mehrere Schüsse auf drei Libanesen in Zivilkleidung, bei denen es sich angeblich um Hisbollah-Milizio­näre handelte.

Wie viele Tunnel die Armee in der Grenzregion vermutet, blieb zunächst unklar. Auch die genaue Lage des dritten Tunnels ist nicht bekannt. Dass die Hisbollah überhaupt in der Lage war, unentdeckt Tunnel zu buddeln, ist ein Armutszeugnis für die UN-Mission Unifil. Mehr als 10.000 Blaumützen aus 41 Ländern haben den Auftrag, die libanesische Armee im Grenzbereich zwischen Israel und Libanon zu unterstützen. Ziel ist, die entmilitarisierte Zone zu bewahren und die Hisbollah fernzuhalten. Die Entmilitarisierung des Südlibanon sowie die Aufstockung des UN-Personals waren Teil des Waffenstillstandsabkommens nach dem letzten Krieg vor zwölf Jahren. Israels Armee forderte nun die UN-Truppen auf, die Tunneleingänge auf libanesischer Seite zu zerstören.

Auch eine Wiederaufrüstung der Hisbollah sollte nach dem Krieg 2006 verhindert werden. Inzwischen vermuten Militärexperten mindestens 120.000 bis 150.000 Raketen in den Rüstungslagern der schiitischen Terroristen. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah warnte Israel vor einem Erstschlag, den man „bereuen“ werde. Weder Israel noch die Hisbollah hätten ein Interesse an einem Krieg, meinte unterdessen Odet Granot, Analyst im öffentlichen israelischen Rundfunk, dennoch sei eine „massive Zuspitzung“ der Lage „lediglich eine Frage der Zeit“.

Für Israel gefährlicher als die Hamas

Die Hisbollah ist mit ihrem Arsenal an Raketen, die bis nach Südisrael reichen, gefährlicher als die palästinensische Hamas im Gazastreifen. Als Ziehkind des Iran erhalten die libanesischen Kämpfer Rüstung, Ausbildung und auch das Kommando zum Angriff direkt aus Teheran. Grund für eine militärische Auseinandersetzung gibt es seit dem einseitigen Abzug Israels aus dem Südlibanon im Sommer 2000 kaum noch. Ungeklärte Besitzansprüche zwischen den beiden Nachbarstaaten bestehen nur noch bei dem winzigen Landstück der Schebaa-Farm. Der Kampf der Hisbollah, die in ihrem Programm an der Vernichtung Israels festhält, ist ein ideologischer.

Israels Feind im Norden diente Netanjahu wohl als Argument zur Beilegung der jüngsten Regierungskrise. Naftali Bennett, Chef der Siedlerpartei, ließ vor drei Wochen überraschend von seiner Drohung ab, aus der Koalition auszutreten, sollte er nicht zum Verteidigungsminister ernannt werden. Netanjahu, der das Amt am Ende selbst übernahm, hielt Bennett offenbar mit nachrichtendienstlichen Informationen bei der Stange. Bennett hatte kritisiert, dass Israel nicht stärker gegen die Hamas vorgeht.

Mit derselben Kritik hatte sich Avigdor Lieberman von seinem Amt als Verteidigungsminister zurückgezogen. Er bezeichnete die „Operation Nördlicher Schutzschild“ verniedlichend als „technisches Vorgehen“ gegen die Tunnel, deren Existenz lange bekannt sei. Keinesfalls könne man mit den Entwicklungen im Norden „die Versäumnisse im Süden“ rechtfertigen.

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