Islamisten in NRW festgenommen: Mutmaßliche IS-Zelle ausgehoben

Fünf Tadschiken sollen Anschläge auf US-Streitkräfte und Einzelpersonen in Deutschland geplant haben. Nun wurden sie festgenommen.

Schattenriss einer Hand mit Handschelle

Bei einer Razzia haben Ermittler in Nordrhein-Westfalen vier Tadschiken festgenommen Foto: Fredrick von Erichsen/dpa

BERLIN taz | Bei einer Razzia gegen eine mutmaßliche Zelle des „Islamischen Staates“ haben Ermittler am Mittwochmorgen in Nordrhein-Westfalen vier Tadschiken festgenommen. Zusammen mit einem bereits inhaftierten weiteren Tadschiken waren sie offenbar fest entschlossen, islamistische Anschläge zu verüben. Zwei US-Luftwaffenstützpunkte in Deutschland kundschafteten sie bereits aus, auch einen tadschikischen Dissidenten hatten sie im Visier.

Am Mittwochmorgen vereitelten Polizei und Bundesanwaltschaft diese Pläne. Bei der Razzia in Nordrhein-Westfalen nahmen sie die vier Tadschiken fest. Der fünfte Mann und mutmaßliche Anführer, Ravsan B., saß bereits seit März 2019 in U-Haft.

Die Festnahmen fanden in Essen, Neuss, Solingen, Wuppertal, Kreuztal, Werdohl und Selfkant statt. Neben den Wohnungen der Beschuldigten wurden sieben weitere Objekte in NRW durchsucht. Nach taz-Informationen ging es den Männern insbesondere um einen Mordanschlag auf den tadschikischen Dissidenten. Dieser hatte sich „aus Sicht der Beschuldigten islamkritisch in der Öffentlichkeit geäußert“, so die Bundesanwaltschaft. Einer der Beschuldigten soll den Mann bereits ausgespäht haben.

Laut Ermittlungen sollen sich die Männer bereits im Januar 2019 dem IS angeschlossen und in dessen Auftrag eine Zelle in Deutschland gegründet haben. Zunächst hatten sie demnach vor, nach Tadschikistan auszureisen, um dort an Kämpfen gegen die Regierung teilzunehmen. Doch schließlich entschieden sie sich, in Deutschland zuzuschlagen. Sie standen laut Bundesanwaltschaft dabei mit zwei hochrangigen IS-Führungsmitgliedern in Syrien und Afghanistan in Kontakt, von denen sie entsprechende Anweisungen erhielten.

„Das hat eine riesige Dimension“

Die Zelle hat sich laut Bundesanwaltschaft bereits scharfe Schusswaffen und Munition besorgt. Zudem beschaffte Ravsan B. Anleitungen für die Herstellung von Sprengvorrichtungen. Einige der notwendigen Materialen hatten die Verdächtigen bereits im Internet gekauft.

Zur Finanzierung ihrer Pläne hatten die Männer Geld gesammelt, B. soll zudem einen mit 40.000 US-Dollar dotierten Auftrag für einen Mordanschlag in Albanien angenommen haben. Dazu reiste B. gemeinsam mit einem weiteren Beschuldigten dorthin. Die Ausführung des Auftrages aber scheiterte und die beiden kamen nach Deutschland zurück.

Der mutmaßliche Anführer Ravsan V. landete bereits Mitte März 2019 in Haft – wegen eines Waffendelikts. Nun ließ die Bundesanwaltschaft auch die anderen vier Tatverdächtigen festnehmen. Laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) waren alle fünf „schon relativ lange im Blick“ von Polizei und Verfassungsschutz im Bundesland. „Wir waren da immer sehr unruhig.“

Zwei der Männer waren laut Reul als Gefährder eingestuft, drei als sogenannte „relevante Personen“, die als „Akteure“ im terroristischen Spektrum gelten. Es sei den Beschuldigten „sehr ernst“ gewesen mit ihren Plänen, so Reul. „Das hat eine riesige Dimension.“ Unmittelbar bevorgestanden hätten die Anschläge indes noch nicht.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte zuletzt betont, dass hierzulande weiter von einer islamistischen Terrorgefahr auszugehen ist. Das BKA zählt derzeit rund 680 islamistische Gefährder, der Verfassungsschutz stuft 2.170 Personen als „islamistisch-terroristisch“ ein. Dessen Präsident Thomas Haldenwang sagte zuletzt, der IS habe zwar sein Kernterritorium und seinen Anführer Abu Bakr al-Baghdadi verloren, besetze aber „nach wie vor die Köpfe und Herzen zahlreicher Anhänger“. Und durch die politische Instabilität in Syrien und Irak sei auch ein Wiederaufstieg der Terrorgruppe möglich. Die Bedrohungslage habe sich deshalb „lediglich stabilisiert“.

Aktualisiert am 15.04.2020 um 12:40 Uhr

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