Interessenkonflikt bei Medienaufsicht: Kontrollinstanz bekommt Geschenke

Der Podcast der Bremer Landesmedien-Direktorin wurde gratis produziert – von einer Firma, die mit RTL Nord verknüpft ist.

In einem Museum wird ein altes Radiogerät in die Kamera gehalten. Auch der Podcast der Direktorin der Bremer Landesmediendirektion ist schon museumsreif

Kaum raus, schon weg: Der Podcast der Landesmediendirektorin ist schon museumsreif Foto: dpa

BREMEN taz | Es ist schön, wenn Menschen ihre Arbeit lieben. Cornelia Holsten tut das, „ich bin verliebt in Medien“, betont die Chefin der Bremer Landesmedienanstalt Brema in ihrem Podcast „Unreguliert. Frau Holsten fragt nach“, der nach großer inhaltlicher Kritik bereits nach der zweiten Folge eingestellt wurde.

Andere, die mit ihr kooperieren, lieben ihre Arbeit offenbar auch – und zwar so sehr, dass sie gar kein Geld dafür sehen wollen: Selbst kommerzielle Medienunternehmen der Bertelsmann-Gruppe etwa. Der Medienrat prüft nun, ob ein Interessenkonflikt für die Brema vorlag. Denn deren Aufgabe ist es, den privaten Rundfunk in Bremen zu kontrollieren.

Die Brema hatte der taz Ende Januar auf Nachfrage über die Pressestelle geschrieben, dass für die Produktion des Podcasts keine Kosten angefallen seien. „Alle Beteiligten haben Lust auf dieses Projekt und engagieren sich deswegen einfach gerne“, so Pressesprecherin Franziska Riedel.

Beteiligt sind in den beiden Folgen neben Holsten der jeweilige Interviewgast – der Fashion-Blogger Maximilian Arnold, sowie der Direktor der Landesmedienanstalt in Nordrhein-Westfalen. Beteiligt ist aber auch „Audio Alliance“ – die Produktionsfirma in Berlin hat die Folgen aufgenommen, unentgeltlich.

Die Produktionsfirma ist eine RTL-Tochter

Nun ist „Audio Alliance“ nicht irgendwer. Das Unternehmen gehört wie RTL zur Bertelsmann-Gruppe und produziert die Audioinhalte für die RTL-Kanäle. Die Leistung wurde also über Bande vom RTL-Eigner Bertelsmann an die Brema erbracht, die zuständig ist für die Kontrolle des RTL-Regionalprogramms im Norden.

Auf eine entsprechende Nachfrage der taz gibt es seitens der Brema keine Antwort, bevor das Thema noch einmal intern behandelt wird. Zuvor war schon die Anfrage des Onlineportals Uebermedien.de unbeantwortet geblieben, das zuerst auf die Verbindung hingewiesen hatte.

„Audio Alliance“ produziert für RTL – und offenbar kostenfrei auch für Cornelia Holsten

Auch die Frage, warum der Podcast mit dem Bremer Fashionblogger in Berlin stattgefunden hat, bleibt offen. In Bremen hätte es Aufnahmestudios gegeben – unter anderem eines, das sogar mit der Landesmedienanstalt verknüpft ist: Die nämlich ist Trägerin des Bürgerrundfunks und bietet allen Bürger*innen den Zugang zu Aufnahmemöglichkeiten im eigenen „Media Lab Nord“. Die dort produzierten Beiträge müssen im Offenen Kanal gesendet werden, können im Anschluss von den Produzent*innen aber auch weiterverwendet werden – zum Beispiel als Online-Podcast.

Holstens kurzlebiger Podcast, der vor allem durch unkritische, distanzlose Fragen auffiel, hat noch eine weitere Verbindung zu RTL. Der zweite Gesprächspartner Holstens war ihr nordrhein-westfälischer Amtskollege Tobias Schmid, der zuvor bei RTL als Lobbyist gearbeitet hatte.

Antworten auf offene Fragen lässt die Sitzung des Landesmedienrats am Donnerstag erhoffen. Der überwacht die inneren Angelegenheiten der Brema. „Nachbetrachtung und offene Fragen zum Podcast“ steht unter Tagesordnungspunkt 4.

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