Inhaftierte Journalistinnen

Eman, Hatice, Gulmire, Ayşe, Israa, …

Mindestens 32 Journalistinnen sitzen weltweit im Gefängnis, die meisten von ihnen ohne Verurteilung. Eine NGO stellt die Frauen vor.

Frauen halten lebensgroße Pappfiguren von drei saudi-arabischen Aktivistinnen hoch

Vor der saudi-arabischen Botschaft in Paris fordern Menschen die Freilassung von Eman al-Nafjan Foto: reuters

BERLIN taz | Elf Jahre ist es her, dass die Englischdozentin Eman al-Nafjan den Blog „Saudiwoman“ startete. Ihre Begründung: Die gängige Berichterstattung über Leben und Kultur in Saudi-Arabien spiegele nicht ihre persönlichen Erfahrungen wider.

Al-Nafjan beginnt also, selbst über politische und soziale Fragen in ihrer Heimat zu schreiben – immer mit Fokus auf die Rechte der Frauen. Medien wie CNN oder der Guardian werden auf sie aufmerksam und veröffentlichen einige ihrer Meinungsstücke.

Al-Nafjan kommentiert Bildungspolitik, porträtiert Aktivistinnen und veröffentlicht Blogposts, in denen sie sich am Fahrverbot für Frauen abarbeitet. Das saudische Königreich hob dieses Fahrverbot im Juni vergangenen Jahres auf. Einen Monat vorher, im Mai 2018, wird Eman al-Nafjan festgenommen und sitzt seitdem im Gefängnis.

Al-Nafjan ist eine von vier Journalistinnen in Saudi-Arabien und mindestens 32 weltweit, die wegen ihrer kritischen Artikel, Hörfunk- und Fernsehbeiträge eingesperrt sind. Die Zahlen, herausgegeben anlässlich des Internationalen Frauentags, stammen vom Komitee zum Schutz von Journalisten – einer US-amerikanischen NGO, die sich für Pressefreiheit und Menschenrechte von ReporterInnen einsetzt.

„Unruhestiftung und Provokation“

Auf seiner Webseite hat das Komitee grafisch aufbereitet, wo die Frauen herkommen, ob und wofür sie angeklagt wurden und mit welchen Themen sie sich befassten. Die meisten der Frauen berichteten über die politischen Verhältnisse in ihrem Land, über Menschenrechte, Korruption oder die Diskriminierung von Minderheiten.

Am 8. März veröffentlichen wir auf taz.de nur Beiträge von Frauen* und nicht-binären Menschen, und auch nur diese kommen darin vor: als Expert*innen, als Protagonist*innen, auf den Fotos. Trotzdem beschäftigen wir uns nicht primär mit dem, was im allgemeinen Sprachgebrauch gern als „Frauenthemen“ bezeichnet wird – sondern mit dem Tagesgeschehen.

Fast die Hälfte der Journalistinnen, 14 insgesamt, befinden sich nach Angaben der NGO in türkischen Gefängnissen. Darunter Hatice Duman, die für ihr angebliche Mitgliedschaft in einer kommunistischen Partei zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt ist. Einige Anklagepunkte basieren auf den Aussagen ihres Ehemannes, dem während seiner Anhörung Gewalt angedroht worden sein soll. Oder Ayşe Nazlı Ilıcak, festgenommen nach dem gescheiterten Militärputsch 2016. Sie soll Anhängerin der Gülen-Bewegung und somit „Sprachrohr einer Terrororganisation“ sein. Das Urteil: lebenslänglich.

Neben 14 Frauen in der Türkei und vier in Saudi-Arabien sind laut Komitee sieben Journalistinnen in China, zwei in Vietnam, zwei in Israel und Palästina, zwei in Ägypten und eine in Syrien inhaftiert.

Gegen die Reporterinnen in China, die überwiegend wegen ihrer Recherchen zur Unterdrückung der UigurInnen festgenommen wurden, lautete die Anklage übersetzt „Unruhestiftung und Provokation“. Gulmire Imin, die Staatsgeheimnisse verraten und eine illegale Demonstration organisiert haben soll, bekam wie Ayşe Nazlı Ilıcak und Hatice Duman lebenslänglich. Mehr als die Hälfte der 32 Frauen wartet noch auf ein Urteil.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben