In der „Tatort“-Sommerpause: „SOKO Wien“ als Lichtblick

Die „SOKO“-Krimis vom ZDF ist schablonenhafte und erwartbare Dutzendware. Nur der Ableger aus Österreichs Hauptstadt fällt positiv aus dem Rahmen.

Eine Frau und ein Mann in Schutzanzügen stehen in einer Wohnung und gucken in ein Buch

Inspektorin Lanz (Lilian Klebow) und Spurensicherer Wohlfahrt (Helmut Bohatsch) in „Soko Wien“ Foto: ZDF

Wer die sommerlichen Tatort-Wiederholungen nicht erträgt, könnte ja mal wieder etwas ganz Altmodisches tun: sich durch die TV-Programme zappen und Altes neu entdecken. Ist mir gerade so passiert; ich war ganz fasziniert. Ich sage nur „SoKo“.

Erstaunlicherweise gibt es diese Form der kriminalistischen TV-Serienunterhaltung im ZDF schon seit 1978: die Stadt München machte damals den Anfang. Inzwischen hat es das Format auf elf Ableger geschafft, schon immer wurde auch in Österreich ermittelt, und nach der Wende ließt das ZDF auch die ostdeutschen Städte ran, Leipzig, Wismar und Potsdam bekamen eine Serie.

Aber mal ehrlich: Die Masse der dreiviertel Stunden langen Folgen ist Dutzendware, weil allzu oft erwartbar und schablonenhaft. Okay, das liegt natürlich auch an der Kürze der Serienfolgen – wobei: siehe Streaminganbieter, die kriegen das ja oft auch hin –, aber eher an den miesen Drehbüchern. Doch es gibt einen Lichtblick: Der Trailer zur „Soko Wien“ kommt von Stil, Schnitt und Musik wie aus den 1970er Jahren daher; hübsch die Idee, neben aktuellen Bildern der Hauptdarsteller auch welche aus den Anfangsjahren (2005) zu verwenden.

Nicht so hölzern

In der Folge „Alles wird gut“ zum Beispiel wird natürlich nicht alles gut. Und sie spielt, das war beim linearen Gucken schön irritierend, nicht in Wien, sondern in Linz. Denn dort wird ein Polizist an einer Tankstelle erschossen, scheinbar aus Versehen. Na ja, stimmt aber nicht.

„Soko Wien: Der Preis der Macht“, , Sa., 4. 7., 18.05 Uhr,ZDF, eine Woche in der Mediathek

Das Fluchtfahrzeug ist ein Moped, mit dem soll der/die Tatverdächtige von Wien nach Linz gefahren sein … Und dann muss alles zack, zack gehen, dennoch bleibt Zeit, um eine spannende wie nachvollziehbare Geschichte zu entwickeln, die nicht erwartbare Wendungen bietet. Das ist ziemlich grandios gemacht.

Das Besondere dieser ORF-Produktionen ist aus deutscher Sicht natürlich das österreichische Flair, die schöne Sprachmelodie, die zärtlichen Schimpfworte („Geh scheißen!“), hier ist nichts hölzern wie in vielen deutschen Serien. Und dann sind da die klasse Drehbücher, wie man sie so oft hat in österreichischen Serien.

Die derzeit gesendete Staffel von 2014 wirkt alles andere als angestaubt. Eine sommerliche Alternative zu Wiederholungen und Streamingdiensten. An diesem Wochenende läuft die Episode „Der Preis der Macht“: Es geht um einen Giftanschlag und Rache. Könnte wieder spannend werden.

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