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In Paris brennt die Ewige Flamme

In Frankreich ist der 8. Mai ritualisiertes Gedenken und willkommener Kurzurlaub. In diesem Jahr fällt er allerdings aus

Wegen der Coronakrise findet der 8. Mai in Frankreich in vielen Orten im engsten Kreis von Offiziellen statt. Sonst versammeln sich an diesem Gedenktag ganze Gruppen von Veteranen, Fahnenträgern und Lokalpolitikern vor dem Denkmal der gefallenen Söhne, das in keinem Dorf fehlt. In diesem Jahr werden wegen des Lockdowns die meisten Anlässe abgesagt oder auf ein Minimum beschränkt.

Ändert das etwas für die Menschen? Arbeiten können die allermeisten wegen des Zwangsurlaubs ohnehin nicht. Wenn sie ehrlich wären, würden die meisten Franzosen und Französinnen gestehen, dass für sie der 8. Mai in anderen Jahren einfach ein arbeitsfreier Urlaubstag war, und sich mit dem Tag der Arbeit eine Woche zuvor je nach Kalender oft zwei lange Wochenende ergaben.

Der Sinn und die Herkunft des 1953 offiziell geschaffenen Feiertags ist dabei längst sekundär geworden. 75 Jahre nach dem Kriegsende wäre es ja auch etwas überholt, vor dem Triumphbogen eine „Siegesfeier“ zu organisieren. Bereits 1975 wollte Präsident Valéry Giscard d’Estaing den 8. Mai aus versöhnlicher Absicht in einen „Europatag“ umfunktionieren, doch angesichts der Proteste der Veteranenverbände kehrte man rasch zur Feier des Sieges zurück.

Wie der 6. Juni, der Tag der alliierten Landung in der Normandie, diente der 8. Mai auch oft der Außenpolitik, prioritär zur deutsch-französischen Versöhnung. Aber auch zur Besiegelung von Freundschaften oder der diplomatischen Annäherung nach einer Verstimmung. In diesem Jahr fällt das aus. Gelegenheit also, sich in der Stille des Lockdowns auf die Bedeutung dieses Feiertags zu besinnen?

Fest steht vorerst nur, dass Präsident Macron wie üblich am Grab des unbekannten Soldaten im Beisein von ganz wenigen die Ewige Flamme als Symbol der nie erloschenen Erinnerung an die Kriegsgräuel entzünden soll. Rudolf Balmer, Paris

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