Impfungen bei Feuerwehr und DRK: Privilegien für Führungskräfte

Eigentlich sollten Hamburger Rettungskräfte geimpft werden. Beim Roten Kreuz und der Harburger Feuerwehr bekamen stattdessen Funktionäre die Dosis.

Feuerwehrleute beim Einsatz

Im Einsatz müssen Masken reichen: Manche Harburger Feuerwehrleute haben ihren Impfstoff verpasst Foto: Philipp Schulze/dpa

HAMBURG taz | Die schleppend anlaufende Versorgung mit Corona-Impfstoffen weckt Begehrlichkeiten. So sollen sich laut Medienberichten Führungskräfte der Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Januar mit Impfstoffresten immunisieren lassen haben – obwohl der eigentlich für die Kol­le­g*in­nen im Rettungsdienst bestimmt war und sie selbst nur einen Schreibtischjob haben.

Der Hintergrund: Wenn bestellte Impfdosen in Alten- und Pflegeheimen nicht verbraucht werden, müssen schnell andere Ab­neh­me­r*in­nen gefunden werden, da das Mittel nur kurze Zeit hält. In über 370 Fällen wurden in Hamburg deshalb Personen geimpft, die im Rettungsdienst arbeiten und damit eine hohe Impfpriorität genießen. Rund zwanzig Mal allerdings sollen auch Führungskräfte aus der Verwaltung des DRK-Ambulanzdienstes und der Feuerwehr unberechtigt übrig gebliebene Impfdosen bekommen haben.

Unter den Personen, die den Impfstoff erhielten, sollen beim DRK ein Vorstandsmitglied, Teile der Geschäftsführung sowie ein Projektleiter gewesen sein. Doch damit nicht genug: Auch die Ehefrauen der Funktionäre und ein Kind sollen geimpft worden sein. Das DRK nahm bislang keine Stellung zu dem Vorfall.

Bei der Harburger Feuerwehr soll es ähnlich abgelaufen sein. In einem internen Schreiben, das Feuerwehrchef Christian Schwarz verfasst hat, heißt es: „Die Impfdosen mussten innerhalb einer Stunde vergeben werden.“ Daher seien auch Menschen zur Impfung geschickt worden, die eigentlich noch nicht vorgesehen waren. „Ursprünglich war geplant gewesen, die bei einem Pflegeheim-Einsatz überzähligen Impfdosen an Einsatzkräfte zu vergeben, die dann aber zu einem Großeinsatz ausrücken mussten.“

Sogar die Ehefrauen und ein Kind wurden mit geimpft

Laut Bild und Hamburger Morgenpost ließen sich mindestens zwei hochrangige Feuerwehr-Funktionäre während der Dienstzeit impfen und mit dem Dienstfahrzeug zur Impfung fahren. Mit­ar­bei­te­r*in­nen im Einsatzdienst hingegen dürfen sich nur in ihrer Freizeit impfen lassen.

Immerhin soll sich der Vorfall so nicht wiederholen. „Wir haben inzwischen Listen mit priorisierten Mitarbeitern angefertigt. Dadurch werden Führungskräfte nicht mehr vorgezogen“, sagt der Sprecher der Feuerwehr, Martin Schneider.

Senatssprecherin Julia Offen betont, die Regierung sei „not amused“ über diesen Vorfall. Auch Daniel Dahlke, Landeschef der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft, hätte sich von den Funktionären, die die Impfdosen nicht hätten annehmen dürfen, „mehr Anstand gewünscht“.

Die Impfreste hätten, heißt es aus der Gesundheitsbehörde, etwa in das Impfzentrum Messehallen zurückgebracht oder an benachbarte Rettungsdienste verteilt werden können. Ziel sei es aber, unbedingt zu vermeiden, „dass Impfdosen aus logistischen Gründen verfallen“, sagt ein Behördensprecher.

Die Impfstoffverteilung an nicht berechtigte Personen ist kein Einzelfall. Im Darknet blüht laut Europol längst der Schwarzmarkt für Impfstoffe und bundesweit häufen sich die Fälle, in denen Impfreste an nicht berechtigte Personen vergeben wurden. So ist der taz der Fall einer jungen Hamburgerin mit guten Verbindungen bekannt, die extra zweimal nach Bielefeld fuhr, um zwei „überzählige Impfdosen“ zu ergattern. Eine impfberechtigte Person mit kürzerem Fahrtweg hätte sich da sicher finden lassen.

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