Impeachment-Debatte im Justizausschuss

In die Tasche gesteckt

In den Justizausschuss kommt der Republikaner-Anwalt Castor mit einer Supermarkttasche. In den sozialen Medien stürzen sich die User auf das Accessoire.

Männer in Anzügen, einer hält eine türkisgrüne Tasche hoch

Endlich ein Farbtupfer: Steve Castor und seine Tasche Foto: Jonathan Ernst/reuters

Ausgerechnet Republikaner-Anwalt Stephen Castor sorgt im Impeachment-Verfahren des US-Abgeordnetenhauses für einen Farbtupfer: Er bringt seine Unterlagen (Fiese Demokraten! Trump unschuldig!) in einer handelsüblichen Supermarkttasche, „Live Eat Shop Reuse“ steht an der Seite, vorne drauf Abbildungen von Backwerk.

Die sozialen Medien stürzen sich auf die grüne Tasche, endlich ein menschliches Element in diesen geradezu erwartbaren Gesprächen im Justizausschuss! Alles andere war schon vorher klar, die demokratischen Abgeordneten zitieren mit vor rechtschaffenem Timbre zitternden Stimmen die Konstitution, ihre republikanischen Widersacher beklagen empört die unfairen Bedingungen, unter denen dieses Impeachment abläuft. Auf den Handys liefern Donald Trump und seine Anhänger ein Twitter-Grundrauschen.

Doch dann wird es wieder ernst: Nebeneinander sitzen die beiden Anwälte Stephen Castor für die Republikaner und Daniel Goldman für die Demokraten an einem Tisch, hinter ihnen Besucher, vor ihnen der Justizausschuss des US-Abgeordnetenhauses, fast alles Männer. Hier werden die Anklagepunkte für das angestrebte Trump-Impeachment verhandelt, mindestens zwei sollen es sein, Machtmissbrauch und Behinderung des Kongresses, berichtet die Washington Post. Es ist keine gewagte These, dass das von der Demokratischen Partei dominierte Abgeordnetenhaus eine Amtsenthebung von Donald Trump gutheißen wird, eine republikanische Mehrheit im Senat diese dann jedoch kassieren wird.

Vielleicht ist es also sinnvoll, sich auf den eigenen Alltag zu konzentrieren, unter dem ziemlich zusammengewürfelten Slogan „Leben Essen Kaufen Wiederverwenden“. Die Gourmet-Supermarktkette The Fresh Market frohlockt bereits über die Werbung und verspricht jedem Kunden, der auf Twitter ein Werbe-Hashtag verwendet, eine kostenlose Tasche. „Sie können diese Aktentasche mit Unterlagen füllen oder mit leckerem Essen (unsere Vorliebe)“, schreibt das Unternehmen auf Twitter.

Andere User fühlen sich an die Simpsons erinnert, witzeln über die fünf Cent, die man in den den USA oft als Rabatt bekommt, wenn man im Supermarkt seine eigene Tasche mitbringt – oder stellen aufgrund der Tasche gleich seine Eignung als Anwalt infrage – wobei immerhin die Farbe der Tasche auf seine Schuhe abgestimmt sei.

Immerhin.

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