Immobiliengerangel in Hamburger Park: Terrassen in Seenot

Seit Längerem steht das „Café Seeterrassen“ leer. Die Hamburg Messe will den Pavillon in Planten un Blomen abreißen. Darüber gibt es Streit.

Ein weißes Gebäude in einer Parkanlage

Könnte bald verschwunden sein: Das ´derzeit geschlossene „Cafe Seeterrassen“ Foto: Jannis Große

HAMBURG taz | Die Türen haben sich schon länger nicht mehr geöffnet, inzwischen ist auch das Innere weitgehend ausgeräumt. Eigentlich wäre der Pachtvertrag eines Eventunternehmers für das „Café Seeterrassen“ im Park Planten un Blomen bis Ende des Jahres gelaufen, aber seit Monaten ist dort kein Betrieb mehr. Über die Zukunft des modernististischen Baus ist nun eine leidenschaftlich geführte Debatte entbrannt.

Eigentümerin des Flachdachpavillons ist die Hamburg Messe und Congress GmbH – und die will ihn abreißen. „Es macht wirtschaftlich keinen Sinn, dieses Gebäude zu sanieren“, sagte Messe-Geschäftsführer Bernd Aufderheide Anfang Juli dem Hamburger Abendblatt. An anderer Stelle bezifferte er die Kosten einer Sanierung aufs Doppelte eines Neubaus. Gegenüber dem TV-Sender Hamburg 1 sprach er von einem „temporären Gebäude“ und einer geplanten „Lebensdauer von zehn Jahren“.

Dem widerspricht Claas Gefroi, Initiator einer Online-Petition für den Erhalt des „Café Seeterrassen“, der sich bis Donnerstagnachmittag rund 2.100 Menschen angeschlossen hatten. „Überaus bedauerlich“ nennt es der freie Architekturjournalist und -kritiker, „dass die Stadt, die über ihre Gesellschaften immer Besitzerin des Gebäudes war, es so lange verkommen ließ, dass es nun stark sanierungsbedürftig ist“.

Der Pavillon sei „ein architektonisches Schmuckstück“, sagt Gefroi. Er sorgt sich, dass ein etwaiger Neubau vorrangig der Messe offen stehen könnte, aber nicht allen Bürger*innen.

... wurde errichtet anlässlich der Internationalen Gartenbauausstellung 1953.

Entworfen hat ihn der Architekt Ferdinand Streb (1907–1970), der unter anderem auch Teile der Grindelhochhäuser, den Alsterpavillon und die Hamburger Zentrale des Axel Springer Verlages verantwortet.

An gleicher Stelle stand seit 1935 eine (pseudo-)niederdeutsche Bauernschänke mit Reetdach – Teil der nationalsozialistischen „Niederdeutschen Gartenschau“.

Nach mehreren „Überformungen“ steht das Gebäude nicht unter Denkmalschutz.

Nun war das „Seeterrassen“ schon seit Längerem vor allem eine Event-Location. Das soll sich allen Verlautbarungen nach ändern – ob saniert oder in einem Neubau. Auf taz-Nachfrage erklärte die Hamburg Messe am Donnerstag: „Was immer dort entstehen sollte, soll den Hamburgerinnen und Hamburgern zugänglich sein.“

Auch der Bezirksamtsleiter Mitte, der Sozialdemokrat Falko Droßmann, hat sich für „hochwertige Gas­tronomie“ ausgesprochen, in die Hamburger*innen und Tourist*innen ganzjährig einkehren könnten – aber zugleich darüber sinniert, ob nicht die benachbarte Bucerius Law School die Räume mitnutzen könnte. Vorerst letzte Entwicklung: Das Abendblatt zitierte Michael Göring, den Vorstandsvorsitzenden der Zeit-Stiftung, der Trägerin der Hochschule, dahingehend, man sei mit der Messe im Gespräch.

Auf taz-Nachfrage stellt sich die Sache anders dar: Es gebe, so sagt es Göring, seitens der Stiftung „keine konkreten Überlegungen das Café Seeterrassen beziehungsweise einen dort eventuell entstehenden Neubau betreffend“. Mit Aufderheide sei er Ende August zu einem Gespräch verabredet.

Und: „Es ist im Interesse der Zeit-Stiftung, dass so ein schöner Ort wiederbelebt wird.“ Sollte die Hamburg Messe irgendwann „Veranstaltungsräume zu vermieten haben, wären wir möglicherweise daran interessiert, sie zu einzelnen Anlässen anzumieten“.

Eine Anfrage zum Zustand und der Zukunft des Café Seeterrassen hat am Mittwoch die CDU an den Senat gerichtet – mit stolzen 21 Punkten.

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