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Human Rights Film Festival BerlinVon Grenzgängern und Revolutionärinnen

Zwischen Exil, Autoritarismus und Ungleichheit: Das Human Rights Film Festival Berlin zeigt internationale Dokumentarfilme über zivilen Widerstand.

Kunstschnee mitten im Gebirge: die Doku „All the Mountains Give“ Foto: Iman Valiei

Kunstschnee in einer kargen Steinhütte. Ein Mann tanzt mit nacktem Oberkörper auf einem zugefrorenen See. Zugezogene Gardinen, draußen vor dem Fenster Polizeigewalt. Szenen, die von Tristesse und Fragilität erzählen, aber auch von Resilienz. In einer politischen Gegenwart, in der autoritäre Kräfte weltweit erstarken, ist die globale Menschenrechtslage prekär. Wie sieht das Leben dort aus, wo Rechtssysteme unterwandert und Minderheiten verdrängt werden?

Mit Beiträgen aus 37 Produktionsländern zeigt das achte Human Rights Film Festival Berlin unter dem Motto „Where Stories Fight Back“ eine Auswahl dokumentarischer Filmprojekte zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und künstlerischer Abstraktion. Was die Filme verbindet, ist der Fokus auf individuelle Geschichten.

Sie erzählen von Krieg, Exil und der Schwierigkeit, in der Fremde eine Heimat zu finden. Vom Kampf für Gleichstellung und Existenzrechte. Und von der Gegenwärtigkeit der Klimakrise, die Lebensräume und Perspektiven verdrängt. Neben schon anderweitig gezeigten Filmen wie „Bedrock“, der sich der Aufarbeitung deutscher NS-Verbrechen widmet, sind auch Berlin- und Deutschlandpremieren zu sehen.

Das Filmfestival

Das Human Rights Film Festival Berlin läuft vom 10.-18. April in mehreren Berliner Kinos. Programm unter www.humanrightsfilmfestivalberlin.de

Darunter der künstlerische Dokumentarfilm „Silent Legacy“, ein Porträt des Choreografen Sibiry Konate, der zwischen Finnland und Burkina Faso ein Leben im Transit führt. Als Schichtarbeiter sortiert er in einer finnischen Postzentrale Briefe, die Feierabende verbringt er im Tanzstudio. In Europa ist er Arbeitnehmer und Migrant, in seinem abgelegenen Heimatdorf der Ausreißer im Westen, der Geld schickt und nicht mehr dazugehört.

Die zwiegespaltene Lebensrealität des Choreografen fängt das finnische Regieduo Jenni Kivistö und Jussi Rastas aus beobachtender Perspektive ein. Man wohnt dem getakteten Alltag von Konate bei: Akkordarbeit, Essen, Tanzen.

Anmutig und fließend sind seine Bewegungen in den abstrahierten Tanzszenen, mal ausgeführt in Schneelandschaft, mal getaucht in orangefarbenes Licht. Die Kamera folgt seinen durchtrainierten Armen, sucht sein verzerrtes Spiegelbild in der Fensterscheibe eines Kleintransporters. Dann wieder blendet der Film in Szenen über, die Konates Dorf in Burkina Faso zeigen. Die Schnitte werden zum Sprung zwischen den Welten. Zwischen fremd gewordener Heimat und heimatloser Fremde zieht „Silent Legacy“ tief hinein in das Dilemma migrantischen Lebens.

Man blickt in Abgründe und furchige Gesichter

Von prekären Existenzen zwischen Aufbruch und Ankunft erzählt auch das Debüt „All the Mountains Give“ des kurdischen Filmemachers Arash Rakhsha. Über einen Zeitraum von sechs Jahren dokumentiert er das Leben der Kolbar: Lastenträger, die auf kurdischem Gebiet Waren über die Grenze zwischen Iran und Irak schmuggeln.

In kühlen Blautönen zeigt der Film die schroffe Gebirgskulisse der Grenzregion und führt einen in die fahl beleuchteten Hütten am Berghang hinein. Im Fokus stehen zwei befreundete Männer. Für kargen Lohn transportieren sie unter widrigen Bedingungen illegal Pakete – in der Region oft der einzige Weg, an Geld zu kommen.

„A Free Daughter of Free Kyrgyzstan“ erzählt von weiblicher Solidarität Foto: Tro-Tro Productions

Regisseur Rakhsha, selbst ein ehemaliger Kolbar, begleitet die beiden Männer auf ihren gefährlichen Routen durchs Gelände. In bedrückenden Szenen blickt man in Abgründe, in furchige Gesichter, in denen sich Angst, aber auch stählernes Durchhaltevermögen spiegeln. Die überwiegend statischen Einstellungen bleiben düster, es fällt wenig Licht ein. Und doch finden sich Momente der Leichtigkeit: Dampf, der aus kleinen Teegläsern aufsteigt. Dampf, den die Männer an ihren Wasserpfeifen ausatmen. Geburtstagsluftballons, die an der grauen Decke der Steinhütte kleben, und Kunstschnee, der zur Feier des Tages auf den Boden rieselt.

Eine freie Tochter Kirgistans

Von der iranischen Grenze nach Kirgistan: Der Dokumentarfilm „A Free Daughter of Free Kyrgyzstan“ zeigt ein Porträt der Künstlerin und Aktivistin Zere Asylbek. Die Schweizer Filmemacherin Leigh Iacobucci begleitet ihren Kampf für Frauenrechte in einem zunehmend konservativen, misogynen Regime. Als 19-Jährige ging Asylbek mit einem feministischen Song auf Social Media viral, sechs Jahre später mobilisiert sie eine ganze Generation junger Frauen in Kirgistan zum Protest.

Entlang der Geschichte von Asylbek zeigt Iacobuccis Film eine widerständige Frauenbewegung, die politischem Druck, Hetze und brutaler Polizeigewalt standhält. Mal sieht man Asylbek in privaten Szenen am Küchentisch, leise und resigniert, dann wieder steht sie mit erhobener Faust auf der Straße, fest entschlossen im Kreis ihrer Mitstreiterinnen.

In einfühlsamen und aufrüttelnden Bildern nähert man sich der kirgisischen Musikerin. „A Free Daughter of Free Kyrgyzstan“ zeigt, wofür auch das Berliner Filmfestival in seiner Gesamtheit steht: die Kraft zivilen Widerstandes.

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