Holstein Kiel unterliegt Fürth: Störche heben nicht ab

Nach starkem Saisonstart verliert Holstein Kiel in der 2. Fußball-Bundesliga gegen Fürth mit 1:3. Mit den bescheidenen Saisonzielen ist das vereinbar.

Fußballer Jae-Sung Lee von Holstein Kiel kniet mit gesenktem Kopf auf dem Rasen.

Frustriert nach der ersten Niederlage: Holsteins „Unterschiedsspieler“ Jae-Sung Lee Foto: Frank Molter/dpa

KIEL taz | Mit hängenden Schultern und Gram im Gesicht stapfte Fußballlehrer Ole Werner am Sonnabend in die Kabine des Kieler Holsteinstadions. Mit 1:3 hatte sein Team gerade verloren, gegen die SpVgg Greuther Fürth hochverdient im fünften Spiel die erste Niederlage der noch jungen Zweitliga-Saison kassiert. Am Ende glich das Duell einer Demontage der Kieler – und das an einem ganz besonderen Tag.

Denn exakt zwölf Monate zuvor war Werner von den Holstein-Verantwortlichen zum Cheftrainer berufen worden. Seinen ersten Sieg als Interimscoach hatte das Kieler „Urgestein“ am 29. September 2019 eingetütet – mit einem 3:0-Erfolg in Fürth.

Auf Ähnliches hatten sowohl der mit 32 Jahren jüngste Cheftrainer im deutschen Profifußball als auch die 2.239 Zuschauer erneut gehofft. Schließlich stellte die KSV Holstein beim Anpfiff die nach Zahlen stabilste Deckung der Ligen eins, zwei und drei. Den bis dato einzigen Gegentreffer hatte auch noch der Kieler Mittelfeld-Taktgeber Jonas Meffert beim 2:1-Heimsieg gegen Düsseldorf selbst erzielt.

Ausgerechnet die Abwehr, in den Jahren zuvor nicht selten die Kieler Schwachstelle, diente als Basis für die zehn Punkte in den ersten vier Partien. Im Vorwärtsgang lief es wie eigentlich immer: eine einfallsreiche Offensive, die mit zügigem Umschaltspiel und schnellen Kombinationen Torchancen im Überfluss kreiert, diese aber nur zu selten in zählbaren Ertrag ummünzt.

Holstein plötzlich effektiv

Als sich das Werner-Team beim 2:0-Erfolg in Würzburg in der Vorwoche nach spielerisch mäßiger Vorstellung tatsächlich einmal effektiv präsentiert hatte, schienen ob der Tabellenführung ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Eine nur auf den ersten Blick überraschende Erfolgswelle.

Eilte den Kielern in der jüngeren Vergangenheit das Image eines sympathischen und mit bescheidenen Finanzmitteln arbeitenden Ausbildungsvereins (Etat für Lizenzspieler, Trainer- und Funktionsteam: 11,3 Millionen Euro) voraus, der Talente, Leihkräfte aus der Bundesliga oder Akteure, die ihren Durchbruch bei anderen Arbeitgebern nicht geschafft hatten, auf den rechten Profi-Weg bringt, um sie dann teuer zu verkaufen, gab es in der Transferperiode vor diesem Spieljahr eine Kurs-Korrektur.

Keine leistungsmindernde Personal-Fluktuation im großen Stil, sogar den südkoreanischen Nationalspieler Jae-Sung Lee, der in der Zweiten Liga den Unterschied machen kann, hatte Sportchef Uwe Stöver trotz Nachfragen anderer Klubs gehalten. Mit dem Wissen, dass der Vertrag des 28-Jährigen am 30. Juni 2021 ausläuft und Holstein dann keine Ablöse mehr kassieren kann.

Neue Kontinuität

Mehr noch: Mit Jannik Dehm, Hauke Wahl, Johannes van den Bergh, Jonas Meffert, Alexander Mühling, Janni Serra und Lee gehörten sieben Spieler, die schon am 3. August 2018 beim sensationellen 3:0-Triumph gegen den damaligen Erstliga-Absteiger Hamburger SV im Volkspark in der Startelf gestanden hatten, zuletzt auch gegen Würzburg und Fürth zu Holsteins Anfangsformation. Auch am Trainer- und Sportchef-Karussell wurde vor dieser Saison erstmals seit Sommer 2018 nicht gedreht. Die neue Kieler Kontinuität.

Zur Tradition gehört bei Holstein auch, weder bei Höhenflügen vorschnell abzuheben noch bei Rückschlägen in Panik zu verfallen. So sorgten die drei Gegentore der Fürther Paul Seguin (7.), Branimir Hrgota (29.) und Havard Nielsen (61.), die zweifelhafte Rote Karte für den Holstein-Angreifer Fabian Reese (72.) sowie die miserable Mannschaftsleistung gegen die Franken am Sonnabend zwar für herbe Ernüchterung. Doch schon vor dem Spiel hatte der 53-jährige Stöver gesagt: „Das sind zehn Punkte zum Erreichen unseres Saisonzieles. Und das heißt: weitere Etablierung in der Liga.“ Eine klug formulierte Bescheidenheit, die das Träumen nicht untersagt.

Ausrutscher gegen Fürth, Wiedergutmachung am kommenden Sonnabend in Aue, danach am 9. November ein echtes Top-Spiel unter Flutlicht im Holsteinstadion gegen den HSV – so lautet die sportliche Wunschformel der Störche.

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