Höhere Preise im Nahverkehr : Das falsche Signal
Die Last durch die Coronapandemie sollten Verkehrsunternehmen nicht auf ihre verbliebenen KundInnen abladen. Besser wären neue Tarifmodelle.
V iele Verkehrsunternehmen werden bald die Preise anheben – oder haben es schon getan. Das ist genau das falsche Signal: Nun muss es darum gehen, Fahrgäste zurückzuholen. Soll die Coronakrise die Verkehrswende nicht auf Dauer blockieren, dürfen die Betreiber nichts tun, was potenzielle Fahrgäste weiter abschreckt. Erstaunlich: Im schwarz-gelb regierten NRW haben einige der in öffentlichem Auftrag fahrenden Verkehrsbetriebe das verstanden, im rot-rot-grünen Berlin nicht.
In der Coronakrise hat der ÖPNV massenhaft KundInnen verloren. Kein Wunder: Auch wenn weniger Menschen Bus und Bahn genommen haben, drängen sich in den Stoßzeiten die Fahrgäste dicht nebeneinander. Zwar gibt es keine belastbaren Studien zum Infektionsrisiko im öffentlichen Personennahverkehr. Aber dass hier keine Gefahren lauern, ist nicht plausibel – auch wenn ManagerInnen und PolitikerInnen mantrahaft das Gegenteil behaupten.
Dass Fahrgäste zurzeit Busse und Bahnen meiden, ist nachvollziehbar. Auch jene, die Autos nicht schätzen, sind auf den Pkw umgestiegen. Aber das Ansteckungsrisiko wird in den kommenden Monaten mit zunehmender Impfdichte abnehmen. Dann besteht für die Verkehrsunternehmen die Chance, die UmsteigerInnen zurückzugewinnen. Diese Chance sollten sie schon wegen der Klimabelastung durch den Autoverkehr nutzen.
Auch wenn die finanzielle Lage der Verkehrsunternehmen in der Pandemie prekär ist: Diese Last sollten sie nicht auf die verbliebenen KundInnen verteilen, denn dann bleiben die auch noch aus. Kommunen, Länder und der Bund sind gefragt, die notwendigen Mittel bereitzustellen. Neue Tarifmodelle, wie sie teilweise für PendlerInnen angeboten werden, die auch im Homeoffice arbeiten, sind gut. Aber besser ist ein wirklich günstiger öffentlicher Nahverkehr für alle, möglichst ein kostenloser. Die dafür erforderlichen Milliarden sind aufbringbar, etwa wenn der Staat auf den Bau weiterer Autobahnen verzichtet.
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