Hochrangige Iran-Funktionäre getötet: Der Chefstratege und der General
Die USA töten bei Luftschlägen auf Teheran mit Ali Laridschani und Gholamreza Soleimani zwei Schlüsselfiguren des Regimes. Iran dementiert die Tötungen.
Zuletzt wurde er am 13. März bei der Quds-Tag-Demo in Teheran gesehen: Man sah Ali Laridschani, Chef des mächtigen Nationalen Sicherheitsrats im Iran, wie er winkt und mit Demonstranten redet. Einen Tag zuvor hatte er an die Adresse von US-Präsident Donald Trump auf X geschrieben: „Es ist leicht, einen Krieg zu beginnen, aber er lässt sich nicht mit ein paar Tweets beenden.“
Laridschani beendet seine Botschaft: „Wir werden euch nicht in Ruhe lassen, bis ihr euren Fehler einseht und den Preis dafür bezahlt. Pass auf, dass du nicht vernichtet wirst.“
Ali Laridschani sei in die Hölle geschickt worden, sagt nun Israels Verteidigungsminister Israel Katz, und in Teheran herrscht noch das bekannte Schweigen – so wie beim Tod des Obersten Führers Ajatollah Chamenei in den ersten Kriegstagen Ende Februar. Iran dementiert am Dienstag, die Nachrichtenagentur Tasnim, die den Iranischen Revolutionsgarden untersteht, teilt mit: Laridschani werde bald Wichtiges verkünden. Sollte Laridschani aber tatsächlich tot sein, muss Modschtaba Chamenei, der inzwischen die Nachfolge seines Vaters als Oberster Führer angetreten hat, bald seinen neuen Vertreter ernennen.
Seit der Gründung der Iranischen „Republik“ vor 47 Jahren war Laridschani stets eine Schlüsselfigur. Und als Chef des nationalen Sicherheitsrats galt er in diesen Tagen als Hauptentscheider. Laridschani gehörte zu den Gründern der Revolutionsgarden, blieb mit den Kommandanten der Garde stets eng verbunden. Viele hielten ihn für den eigentlichen Drahtzieher des blutigen Massakers der iranischen Regierung an der Zivilbevölkerung während der Proteste im vergangenen Dezember.
Chef der paramilitärischen Basij wohl ebenfalls tot
Auch Gholamreza Soleimani, den Kommandanten der Basij, will die israelische Armee bei den fortgesetzten Luftangriffen auf Teheran in der Nacht zu Dienstag getötet haben. Psychologisch gesehen ist dies eine sehr wichtige Meldung. Soleimanis Tod löste in den sozialen Medien eine Welle der Freude aus. Er soll in einem Zeltlager getötet worden sein, das die Basij am Straßenrand eingerichtet hatte, denn das israelische Militär hat fast alle ihre Garnisonen zerstört.
Die Basij-Einheiten sind paramilitärischen Verbände. In den ersten Tagen der Revolution von 1979 rief Ajatollah Chamenei die Jugend dazu auf, den Bauern auf den Dörfern bei der Ernte behilflich zu sein. Er kreierte dafür das Wort „Basij“, auf Deutsch: „Mobilisation“. Sehr schnell erkannte die Revolutionsgarde, wie man diese Euphorie militarisieren kann. Bald hatte jede Einrichtung, von Universitäten über Moscheen bis hin zu den Fabriken eine Basij-Einheit. Und sie bekamen allerlei Privilegien, um als verlängerte Arme der staatlichen Macht über alles zu wachen.
Schlägertrupps für Straßenproteste
In den ersten Jahren traten diese Paramilitärs bei Protesten und Unruhen als Schlägertrupps auf; die Revolutionsgarden wiederum schulten, bewaffneten und kasernierten sie. Die Basij wurden zur wichtigsten Truppe zur Bekämpfung von kleinen und großen Straßenprotesten.
Gholamreza Soleimani, ihr oberster Kommandant, war in den Medien wenig präsent, aber äußerst einflussreich. Er gehörte einer Generation von Kommandanten an, die ihre Legitimität aus dem achtjährigen, sieglosen ersten Golfkrieg mit dem Irak herleiteten. In den sieben Jahren, die er an der Spitze der Basij stand, schlugen seine Verbände vier große Massenerhebungen blutig nieder, darunter die Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ und die Großdemonstrationen im vergangenen Dezember mit mutmaßlich Tausenden Toten.
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