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Helsinki Calling

Ein Karneval für Menschenrechte und 300 Anzeigenflächen für die Pressefreiheit – der Gipfel mobilisiert finnische Bürger und Medien

Aus Stockholm Reinhard Wolff

Trump als Riesenbaby-Ballon so wie in London – das gab es in Helsinki nicht. Aber Gedanken über einen passenden Empfang für die Präsidenten der USA und Russlands hatte man sich natürlich auch in der finnischen Hauptstadt gemacht.

In der Nacht vor dem Gipfel projizierte eine Menschenrechtsorganisation die Aufforderung an Putin und Trump an die Wand des Tagungsgebäudes, die Menschenrechtsverbrechen in Tschetschenien zu beenden. In einer Fußgängerzone waren Fässer mit den Konterfeis der beiden Präsidenten aufgestellt worden, auf die man gegen eine Spende von 1 Euro mit einem Knüppel einschlagen konnte. Greenpeace entfaltete an einem Kirchturm ein großes Transparent mit der Botschaft: „Wärmt unsere Herzen, nicht unseren Planeten.“

Längs der Strecke, die die Fahrzeugkolonnen der Helsinkibesucher zwischen Flughafen und Innenstadt nehmen mussten, und an zentralen Stellen der Innenstadt hatte Helsingin Sanomat,die größte Tageszeitung des Landes, fast 300 Anzeigenflächen gemietet, auf denen in englischer und russischer Sprache mit Texten wie „Willkommen im Land der freien Presse, Herr Präsident“ die Abneigung von Trump und Putin gegen freie Medien thematisiert wurde. „Wir wollen die Präsidenten mit einer Erinnerung an die Bedeutung von unabhängigem Journalismus begrüßen“, begründete Chefredakteur Kaius Niemi die Aktion: Sowohl in den USA wie in Russland „kämpfen unsere Kollegen täglich mit schwieriger werdenden Verhältnissen“: „Ihnen wollen wir unsere Unterstützung zeigen.“

Von rund zehn angemeldeten Demonstrationen gab es eine, bei der Putin-, und drei andere, bei denen Trump-Fans Flagge für ihr Idol zeigten. Schon bei Trumps Ankunft am Sonntagnachmittag hatten einige Dutzend Mitglieder und SympathisantInnen der rechtspopulistischen Wahren Finnen und der rassistischen Soldiers of Odin für den US-Präsidenten demonstriert. „Wir schätzen ja seine Politik“, erklärte Liina Isto, die stellvertretende Vorsitzende des Jugendverbands der Wahren Finnen: „Von seiner Migrationspolitik könnten wir auch in Finnland einiges gut gebrauchen.

Gerade die Kritik an Trumps Migrationspolitik war dagegen ein Schwerpunkt der Kundgebung von Helsinki Calling, zu der sich rund 3.500 TeilnehmerInnen am Sonntag im Zen­trum der Hauptstadt zusammengefunden hatten. Auch wenn die Organisatoren mehr Menschen erwartet hatten, handelte es sich doch um die größte Kundgebung im Zusammenhang mit dem Gipfel.

„Wir wollten eine positive Feststimmung, eine Art Karneval für Menschenrechte und Frieden“, berichtet Frank Johansson von Amnesty International Finnland, einer der Organisatoren von Helsinki Calling. Eine Absicht, die dann zwar überwiegend, aber doch nicht ganz aufgegangen war. Manche TeilnehmerInnen hielten Transparente wie „Trump is an idiot“, „Fascists go home“ oder „Fuck you both!“ durchaus für angebracht.

Am Montagnachmittag gab es einen Polizeieinsatz gegen eine Gruppe von etwa zwei Dutzend antifaschistischen DemonstrantInnen, die eine Straße blockieren wollten. Ansonsten seien die Proteste friedlich geblieben, so Polizeisprecher Pekka Höök.

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