Hans-Wendt-Stiftung: Jugendhilfe braucht Hilfe
Erst hat der Stiftungsrat seinen Vorstand gefeuert, dann hat die Sozialsenatorin ihren Stiftungsrat gefeuert - nun wird nach einem Neubeginn gesucht.
Bild: Simone Schnase
Das hätte sich der Bremer Zigarren-Unternehmer Hermann Otto Wendt nicht träumen lassen: Er hat sein Vermögen einer Sozialstiftung übertragen, die den Namen seines früh gestorbenen Sohnes trägt und seit 1919 den Ärmsten der Armen hilft. Und nun ist ein totaler Streit unter denen ausgebrochen, die mit seinem Geld Kindern und Jugendlichen helfen sollen.
Die Hans-Wendt-Stiftung bietet heilpädagogische Betreuung an, sie stellt Integrationshelfer, betreibt Kindergärten, hat eine Wohngemeinschaft für ausländische Jugendliche und kümmert sich um Straffällige. Und nun braucht die Stiftung selbst Hilfe: Im April hat der Stiftungsrat dem seit 1993 amtierenden Vorstand Hardmuth Groß eine fristlose Kündigung geschickt. Als der Stiftungsrat dann im Leitungskreis der Hans-Wendt-Stiftung Inga Kolaschnik aus Rotenburg als Nachfolgerin vorstellte, hat die Sozialsenatorin Anja Stahmann am 21.Juni den gesamten Stiftungsrat abberufen.
Groß ist gegen seine Kündigung vors Arbeitsgericht gezogen – er hat gar keinen Vorstandsvertrag, sondern einen Angestelltenvertrag aus alter Zeit und der kann gar nicht ohne Begründung fristlos gekündigt werden, hat sein Anwalt beim Gütetermin vorgetragen. Das sieht die Arbeitsrichterin offenbar auch so, sie erklärte sich für zuständig.
Auch der Stiftungsrat, dem der Rechtsanwalt Jan-Martin Zimmermann vorsitzt (aus der Regierungsanwalt-Kanzlei Ahlers&Vogel) hält seine Abberufung für rechtswidrig. Das sieht die Stiftungsaufsicht, für die der Innensenator zuständig ist, aber nicht so. Die Sozialsenatorin soll einen neuen Stiftungsrat einsetzten, hat gestern Innensenator Ulrich Mäurer an das Sozialressort geschrieben – notfalls ohne die Zustimmung der Institutionen, die laut Stiftungssatzung das Vorschlagsrecht haben. Denn die schlagen keinen neuen Personen vor. Wolfgang Luz, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV), der drei Stiftungsräte vorschlagen kann, sieht sich dazu nicht in der Lage. Wenn der alte Stiftungsrat „aus gutem Grunde“ eine Entscheidung getroffen habe und dafür dann abgesetzt werde, könne er nicht andere Personen seines Vertrauens für dieses Ehrenamt vorschlagen, sagt er.
Und worum geht es bei dem Konflikt? Der Stiftungsratsvorsitzende hat dem Vorstand Groß einen fertigen Beratervertrag zur Unterschrift vorgelegt mit einem Finanzvolumen von rund 150.000 Euro, sagt Betriebsrat Matthias Emrich. Das war ein offensichtliches Mißtrauensvotum. Groß hat sich geweigert, das Papier blind zu unterschreiben.
Gerd Wenzel, vom Paritätischen in den Stiftungsrat entsandt, hält einen „Sanierer“ für notwendig – in den letzten 12 Jahren seien Verluste in einer Größenordnung von insgesamt über 2,5 Millionen Euro aufgelaufen, allein im Jahr 2011 seien 400.000 Euro dazugekommen. „Die wirtschaftliche Lage der Stiftung ist existenzbedrohend“, heiße es im Prüfbericht des Wirtschaftsprüfers. Alle Versuche, das Problem mit dem Vorstand Hardmuth Groß zu besprechen, seien ohne Erfolg geblieben. Der ist allerdings nicht für die kaufmännische Leitung zuständig.
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