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HIV-Forschungszentrum „BeCURE“Die Aussicht auf Heilung

Eine Forschungseinrichtung an der Charité will in der Zukunft die Genesung von HIV ermöglichen. Bisherige Ergebnisse stimmen hoffnungsvoll.

Tränen, Freude, Freudentränen: Die Eröffnungsfeier der Charité-Forschungseinrichtung BeCURE hielt am Mittwochnachmittag alles bereit. „Die Charité hat mich geheilt“, erzählte Thomas Kahlert auf der Bühne, die Emotion war seiner Stimme anzuhören. Er gehört zu den ersten 13 Menschen weltweit, die vollständig von HIV genesen sind. „Ich wünsche mir, dass meine Ergebnisse nicht verloren gehen und in Zukunft ein Impfstoff gegen das Virus entwickelt wird“, sagte Kahlert mit Tränen in den Augen.

Dieser Wunsch könnte in Erfüllung gehen: Kahlert ist bereits die zweite Person, die an der Charité geheilt werden konnte. Seine Genesung überraschte selbst die behandelnden Ärzte und legte einen Grundstein für die Gründung des HIV-Heilungsforschungszentrums.

Am Standort Si-M (Der simulierte Mensch) in Wedding sollen künftig Methoden erforscht werden, um HIV vollständig und flächendeckend zu heilen. Das neue Gebäude am Campus Seestraße teilt sich die Charité mit der Technischen Universität: Verschiedene Forschungsprojekte sollen von der räumlichen Nähe profitieren, Grundlagen- und klinische Forschung miteinander verbunden werden. „Wir wollen den Weg vom Labor bis in die Klinik denken“, begründete der zukünftige Direktor von BeCURE, Professor Christian Gaebler, die Entscheidung.

Erster Heilungserfolg 2008

Bis zum Jahr 2008 galt die Heilung von HIV als unmöglich. Dann gelang der Charité bei dem Patienten Timothy Ray Brown die Genesung mit einer Stammzelltherapie. In den Stammzellen befand sich eine vor HIV schützende Mutation. Die riskante Therapie wendete der behandelnde Arzt an dem in Berlin lebenden US-Amerikaner allerdings nur an, weil dieser zusätzlich an Leukämie erkrankt war.

Im Normalfall wird HIV bis heute mit Medikamenten therapiert. Laut der Deutschen Aidshilfe müssen diese Medikamente lebenslang eingenommen werden. Sie verhindern die Krankheit Aids, und „wer rechtzeitig mit einer HIV-Therapie beginnt, hat gute Chancen auf eine normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität“, erklärt der Verein.

Bei Kahlert, dem zweiten Berliner Patienten, verlief die Heilung anders: Auch er war an HIV und Leukämie erkrankt. Seine Stammzellspenderin trug jedoch nicht die vor HIV schützende Mutation in ihren Genen. Trotzdem gilt er als vollständig von den HI-Viren befreit. „Mit dem Austausch des Immunsystems haben wir offenbar alle Virus-Verstecke zunichtegemacht, sodass das HI-Virus die gespendeten neuen Immunzellen nicht mehr infizieren konnte“, erklärte Gaebler, der an der Behandlung maßgeblich beteiligt war, 2024 in einem Bericht.

BeCURE setzt nun an der Erforschung dieses Phänomens an. Das Zentrum will Antikörper- und Immuntherapien sowie neuartige Gen- und Zelltherapien entwickeln. Zusätzlich sollen Betroffene in die Ausgestaltung der Forschungsarbeit einbezogen werden. Geforscht wird außerdem an weiteren Viruserkrankungen wie Hepatitis B und D. Das Projekt wird laut Gaebler bisher von der wissenschaftlichen Führungsebene der Charité getragen. „Zukünftig wollen wir uns primär mit kompetitiv guter Wissenschaft durch Drittmittel finanzieren“, erklärt er weiter. Auch Gelder von Privatpersonen und Stiftungen sollen angeworben werden.

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) leben in Deutschland ungefähr 97.700 Menschen mit HIV. Weltweit gibt es laut UNAIDS 41 Millionen Infizierte. Seit dem weltweiten Infektionshöchststand 1994 ist die Zahl der Neuinfektionen laut der UN-Organisation um 65 Prozent gesunken. In Deutschland haben sich im vergangenen Jahr laut RKI trotzdem noch 2.300 Menschen infiziert, weltweit waren es laut UNAIDS 1,2 Millionen.

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