Guten Gewissens Geld verdienen: Hamburg macht grüne Schulden
Der Hamburger Senat will am Kapitalmarkt Geld einwerben, um den Weg zur Klimaneutralität der Stadt zu finanzieren. Geplant ist eine grüne Anleihe.
Foto: Georg Wendt/dpa
Hamburgs städtische Unternehmen brauchen Geld, um die ökologische Transformation der Stadt voranzutreiben. Damit die Zinsen für die entsprechenden Kredite möglichst niedrig ausfallen, hat der rot-grüne Senat beschlossen, neue Wege zu gehen.
Er beauftragt seine Finanz-Service-Agentur (FSA), einen großen Kredit aufzunehmen und das Geld dann an die einzelnen Unternehmen weiterzureichen. Auf diese Weise profitieren die Unternehmen von der hervorragenden Kreditwürdigkeit der Gesamtstadt, die besser ist als die der einzelnen Unternehmen. In der Vergangenheit hatte etwa die Investitions- und Förderbank (IFB) Hamburg Social Bonds aufgelegt und die Hochbahn einen Green Bond.
Die vor anderthalb Jahren gegründete FSA, die die Finanzierung der Hansestadt und ihrer Beteiligungen managt, soll Ende dieses, Anfang des nächsten Jahres eine grüne Anleihe über 500 Millionen Euro am Kapitalmarkt platzieren. Die Anleihe sollen institutionelle Anleger wie Banken oder Pensionsfonds kaufen und gegebenenfalls auch in kleiner Stückelung als Wertpapiere an ihre Kunden weiterreichen.
„Der Markt nimmt diese Angebote gerne an“, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) bei der Vorstellung des Green Bonds. „Diese Produkte sind überzeichnet.“ Zusätzlich zur guten Kreditwürdigkeit der Stadt sorge die große Nachfrage dafür, die Zinsen für die Stadt weiter zu drücken, so zumindest die Erwartung der FSA.
Regeln fürs Investieren
Green Bonds sind ein etabliertes Kapitalmarktprodukt, für das bestimmte Regeln gelten. Hamburgs FSA orientiert sich für ihren Green Bond an den Prinzipien der International Capital Market Association (ICMA). Die Bereiche, in die investiert werden kann, reichen von erneuerbaren Energien bis zu intelligenten Netzen, von sauberem Verkehr bis zu sauberem Wasser, von der Reduzierung der Luftverschmutzung bis zum nachhaltigen Management von lebenden natürlichen Ressourcen.
Um daraus ein Produkt für den Kapitalmarkt machen zu können, muss der Anbieter nachweisen, dass das Investment einen Effekt im Sinne ökologischer Nachhaltigkeit hat. Wie Jakob Rieper von der FSA sagte, wird dazu zum einen nachgewiesen, welche Summen in welchen Nachhaltigkeitsbereich fließen. Zum andern wird die Wirkung der Investitionen dokumentiert, etwa das Senken des CO₂-Ausstoßes. Welche Parameter Hamburg genau nutzen möchte, wird noch erarbeitet.
Projekte, die in Hamburg damit finanziert werden könnten, gibt es reichlich: emissionsfreie Busse, U-Bahn-Bau, der Bau eines Elektrolyseurs für grünen Wasserstoff, der Ausbau des Fernwärmenetzes, Nutzung von Abwärme, Geothermie und Windkraft. All das sind Projekte, die von städtischen Unternehmen wie Hamburg Wasser, der Hamburger Hochbahn oder Hamburg Energie vorangetrieben werden.
Hamburger, die solche Papiere kauften, könnten solche Projekte unterstützen und zugleich von der ökologischen Transformation der Stadt profitieren, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Das könne die Akzeptanz für den ökologischen Umbau erhöhen.
Thilo Kleibauer, CDU-Fraktion
„Für uns ist es ein strategisches Investment“, sagte FSA-Vorstand Sven Padberg. Schon der Klimaentscheid, der Hamburg dazu verpflichtet, bis 2040 klimaneutral zu werden, mache entsprechende Instrumente nötig. Der mit der grünen Anleihe verbundene Aufwand rechtfertigt sich dadurch, dass die FSA in Zukunft weitere Green Bonds auf den Markt bringen will.
„Auch grüne Schulden dürfen aber nicht davon ablenken, dass sich die Finanzlage der Stadt aktuell deutlich verschlechtert“, kritisierte Thilo Kleibauer, der haushaltspolitische Sprecher der oppositionellen CDU-Fraktion. Der Senat selbst gehe in seinem Haushaltsplan davon aus, dass der Zinsaufwand in den kommenden Jahren wieder auf eine Milliarde Euro pro Jahr ansteigen könne. Hier müsse rechtzeitig gegengesteuert werden.
In der Tat zeigten die von Finanzsenator Dressel vorgestellten Zahlen den Beginn einer Trendwende beim Zinsaufwand für die Stadt. Dieser war trotz tendenziell steigender Verschuldung bis 2024 gesunken und im vergangenen Jahr erstmals seit mehr als 20 Jahren wieder gestiegen.
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