Grünen-Politiker Volker Ratzmann: Von grün zu gelb

Hat er Lust auf Neues oder nimmt er Rücksicht auf den Posten seiner Frau? Der Grünen-Staatssekretär Volker Ratzmann wechselt zur Deutschen Post.

Grünenpolitiker Volker Ratzmann bei einer Pressekonferenz.

Warum den Grünen wohl gerade jetzt im Stimmungshoch wieder ein ­Realo von der Fahne geht? Foto: Marijan Murat/dpa/picture alliance

Der Grünenpolitiker Volker Ratzmann, Winfried Kretschmanns Mann in Berlin, geht zur Post. Es ist noch kein halbes Jahr her, da verkündete die grüne Bundestagsabgeordnete und Oberreala Kerstin Andreae ihren Ausstieg aus der Politik. Sie wurde Lobbyistin des Verbandes Energie- und Wasserwirtschaft.

Jetzt folgt ihrem Beispiel ihr Ehemann, Volker Ratzmann, mit dem sie in Berlin drei Kinder großzieht. Ratzmann, lange Jahre grüner Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus und zuletzt Repräsentant des Landes Baden-Württemberg beim Bundesrat in Berlin, wird Cheflobbyist bei der Post.

Ratzmann teilt mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und manch anderem in seiner Partei den weiten Weg von einer marxistischen Kadergruppe zum Realoflügel der Grünen. In den achtziger Jahren lebte er in besetzten Häusern, protestierte in Gorleben und trat der Alternativen Liste bei. Dort landeten auch seine zeitweiligen Genossen aus der Gruppe Internationale Marxisten (GIM), die späteren Linken-Politikern Udo und Harald Wolf, mit denen sich Ratzmann damals auch eine WG teilte. Aber anders als die Brüder Wolf blieb Ratzmann den Grünen treu und bewegte sich immer mehr in die politische Mitte.

Als Fraktionschef der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus und begeisterter Cabrio-Fahrer arbeitete er in der Opposition früh an Koalitionen mit dem bürgerlichen Lager. Im Streit zwischen den Flügeln zermürbt, trat er dann 2011 als Fraktionschef zurück und wurde Kretschmanns Mann in Berlin.

Vereinbarkeit von Karriere und Familie

Warum wohl den Grünen gerade jetzt, im Stimmungshoch, mit Ratzmann wieder ein ­Realo von der Fahne geht? Einen, den man bei Koalitionsverhandlungen und einer möglichen Regierungsbildung mit der CDU wegen seines Sachverstands und taktischen Geschicks dringend hätte brauchen können? Darauf gibt Ratzmann in seiner Mail an seine Mitarbeiter, aus dem die Südwest Presse zitiert, zwei Antworten. Mit 59 Jahren wolle er noch einmal etwas Neues beginnen, außerdem wolle er der Diskussion über Interessenkonflikte durch die Arbeit seiner Frau erst gar keine Nahrung geben.

Lust auf Neues oder Rücksicht auf den neuen Posten seiner Frau? Zuzutrauen wäre ihm beides. Schon 2008 hatte Ratzmann den Rücktritt von seiner Kandidatur als Bundessprecher der Grünen mit seiner neugeborenen Tochter begründet und tatsächlich hatte das Politikerpaar Andreae-Ratzmann immer auch auf die Vereinbarkeit von Karriere und Familie im Blick.

Trotzdem hätte zu diesem Zeitpunkt kaum jemand in Berlin oder Stuttgart darauf gewettet, dass Ratzmann seinen Posten, der viel Freiraum bietet, aufgibt. Zumal er nach dem Rücktritt von Staatsminister Klaus-Peter Murawski auch außenpolitische Aufgaben für Kretschmann erledigte. Dieser hat mit Ratzmann und nach Murawski jedenfalls schon wieder einen Vertrauten verloren, der ihm dabei geholfen hat, bundespolitisches Profil zu beweisen. Wie zuletzt, als Baden-Württemberg im Bundesrat darauf drang, das Klimapaket der Bundesregierung zu verbessern.

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