Golferin Sandra Gal

Schlagendes Allroundtalent

Sandra Gal ist Deutschlands beste Golferin. Um die Aufmerksamkeit für ihren Sport zu steigern, nimmt sie Fotos mit High Heels in Kauf.

Sandra Gal

Schlägt als beste deutsche Golferin für das Team Europa ab: Sandra Gal. Foto: ap/Steve Dykes

ST.LEON-ROT taz | Sandra Gal, 30, lebt schon lange nicht mehr hier. Im Golfzirkus ist das nicht unüblich. Seit 2004 liegt Gals Hauptwohnsitz in Orlando, Florida, sie hat dort mit Bestnoten ihren Bachelor in Sportmarketing gemacht und sagt, die Studienjahre seien „ein Traum“ gewesen: „Ich konnte studieren und gleichzeitig unter professionellen Bedingungen meine Karriere vorantreiben. Besser ging es wirklich nicht.“ Seit 2008 verdient sie ihr Geld auf der US-Tour: Mehr als 3 Millionen Dollar Preisgeld sind da schon zusammengekommen, Werbung exklusive.

Ihr Start beim Solheim Cup, dem großen Duell zwischen Europa und den USA, ab Freitag in St. Leon-Rot nahe Heidelberg, wird ein Ausflug in die alte Welt. Geboren ist sie in Düsseldorf, wie auch Martin Kaymer, zudem fast gleichzeitig.

2011, kurz nach ihrem ersten (und bislang einzigen) Turniersieg, hat Sandra Gal kühn angekündigt, sie wolle irgendwann die Nummer 1 der Welt werden. Davon ist sie heute genauso weit entfernt wie damals: Ihre Weltranglistenposition mäandert konstant zwischen 30 und 45 (derzeit 42). Sieben Top-Ten-Platzierungen kamen immerhin dazu. Und eigentlich, sagt sie, seien alle Top-50-Spielerinnen ähnlich gut. Entscheidend seien Kleinigkeiten und: „Über den letzten Sprung entscheidet der Kopf. Vertraue ich mir in diesem Augenblick? Weiß ich, dass ich den besten Schlag spielen kann?“

Dabei mangelt es Sandra Gal auf dem Grün und daneben nicht an Selbstbewusstsein. Sie weiß um begehrliche Männerblicke und steht immer wieder für Fotoshootings als Model bereit. Entsprechend viele Bilder gibt es von der Frau mit dem koketten Rehaugenblick, die die US-Plattform Golf.com „eine der schönsten Frauen im Weltgolf“ nennt. Privat liebt sie es eher bedächtig: gute Romane lesen, gern spirituelle Texte, wie sie sagt, singen, früher auch Ballett tanzen, Geige spielen im Klassikorchester und malen – die Bilder gehen bei Charity-Veranstaltungen weg.

Der Wettkampf: Der Solheim Cup, erstmals in Deutschland ausgetragen, hat den gleichen Modus wie der Ryder Cup der Männer. Freitag und Samstag gehen je acht Doppel (Foursome und Fourball) über die Bühne (mal wird ein Ball abwechselnd gespielt, mal zählt jeweils der bessere), am Sonntag folgen 12 Einzel. Jeder Sieg gibt einen Punkt. Als Titelverteidiger würde Europa ein 14:14 genügen; 2013 gewannen die Europäerinnen überraschend 18:10 in den USA.

Das Feld: Die zwölf Europäerinnen kommen aus sieben Ländern. Man erwartet 100.000 Zuschauer in St. Leon-Rot. Das Fernsehen überträgt live, am Freitag und Samstag auf SWR und Eins+, am Sonntag auf SWR und ARD; zusammen 19 Stunden.

Erstmals zwei Deutsche beim Kontinentalduell

Das Magazin Focus nannte sie mal ein „singendes, tanzendes und musizierendes Allroundtalent“. Gal sagt, viele dieser Fotos gefielen ihr nicht, aber „wenn ich mich mit High Heels und einem Golfschläger ablichten lasse, wird die Aufmerksamkeit auf unseren Sport größer“. Ganz ausziehen, etwa im Playboy? Nein, „dafür habe ich zu viel auf den Hüften.“ Bei 60 Kilo und 1 Meter 83 Größe muss man ihr wohl Eitelkeit und einen gewissen Hang zum Perfektionismus unterstellen.

„Ich kann es kaum erwarten, vor meinen Freunden abzuschlagen“

Zweite deutsche Spielerin in St. Leon-Rot ist das bodenständigere Ruhrpottkind Caroline Masson, 26, geboren in Gladbeck, die mehrheitlich auf der europäischen Tour spielt und wie Gal bislang ein Turnier gewinnen konnte. Masson belegt Platz 81 der Weltrangliste und erhielt von der europäischen Teamkapitänin Carin Koch aus Schweden eine Wildcard. Dadurch sind erstmals zwei Deutsche dabei. 2009 schaffte Masson mit einer 62 (10 unter Par) die bis heute beste Runde einer deutschen Proette, wie weibliche Berufsgolferinnen genannt werden. Etwas übermütig nennt sie den Solheim Cup „eines der größten Sportevents der Welt“.

Sandra Gal liebt den Team-Cup seit ihrer siegreichen Teilnahme 2011 innig: „Golf mit Fußball-Atmosphäre“, sagte sie neulich der Zeit, „die Zuschauer rasten aus, sie johlen und pfeifen – unser Sport als Party, das gefällt mir gut.“ Golf sei ihr längst „nicht mehr nur Beruf, sondern vielmehr eine Leidenschaft“. 2014, sagt sie, habe sie ihr deutlich bestes Jahr gehabt: „Nicht von den Ergebnissen, sondern weil ich noch nie so viel gelernt habe.“ Freitag früh beginnt die Weiterbildung zur erhofften Titelverteidigung.

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