Regenbogenfahne vor blauem Himmel beim Christopher Street Day in Berlin Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Gewalt gegen LGBTIQ*-Community:Dunkelfeld im Regenbogen

Auch queere Frauen erleben viel Diskriminierung – und zeigen sie selten an. Das zeigte das bundesweit erste Monitoring zu antiqueerer Gewalt.

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9.1.2021, 09:00 UHR

Zwei queere Personen waren mit Hunden gegen 17.20 Uhr auf der Barfusstraße auf dem Weg zum Schillerpark im Wedding unterwegs, als ein weißer, angetrunkener Mann mit Hund, den sie vom Sehen kennen, aus einem Haus kam und hinter ihnen herlief. Der Mann, der seinen Hund mit dem Namen ‚Adolf‘ rief, begann sie an der Kreuzung Barfusstraße/Edinburgher Straße zunächst als ‚Scheiß Punks‘ und ‚dreckige Penner‘ zu beleidigen. Auf ihre Antwort, sie in Ruhe zu lassen, wurde er lauter, und seine Beleidigungen wurden sexistisch und LGBTIQ*-feindlich. Als sie weiter in der Edinburgher Straße am Schillerpark entlanggingen und erneut riefen, er solle sie in Ruhe lassen, wurde er immer lauter, lief schneller hinter ihnen her, um sie einzuholen, beleidigte sie weiter und drohte ihnen schließlich Gewalt an. Erst als sie in die Ofener Straße einbogen, hörte der Bedroher auf, sie weiterzuverfolgen, und ging stattdessen weiter am Schillerpark entlang, während er ihnen weiterhin laute Beleidigungen hinterherschrie. Weitere Passant*innen, welche die Bedrohung mitbekommen haben müssen, unternahmen nichts.“

Das ist ein Eintrag vom 25. November 2020 aus dem Berliner Register. Das vom Senat geförderter Projekt erfasst rechtsextremistische und diskriminierende Vorfälle und vermittelt Gewaltopfern medizinische und psychische Unterstützung.

„Früher waren es aus dem queeren Bereich eher schwule Männer, die Anzeige erstatteten“, sagt Kati Becker. Sie ist die Leiterin des Berliner Registers und hat eine wichtige Veränderung festgestellt: 2019 und 2020 meldeten vermehrt auch queere Frauen Übergriffe. Becker sagt: „Der Senat möchte die Sichtbarkeit von queeren Menschen, die keine schwulen Männer sind, erhöhen. Das gelingt zunehmend.“

Denn queere Frauen, so scheint es, werden im Bereich LGBTIQ* immer noch leicht übersehen. In seinem Koalitionsvertrag hat der rot-rot-grünen Berliner Senat 2016 deshalb festgehalten, dass die Sichtbarkeit von LGBTIQ* gefördert werden soll – insbesondere die von queeren Frauen. Und die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung unter dem grünen Senator Dirk Behrendt fördert verschiedene Projekte wie das Projekt „Lesbisch*. Sichtbar. Berlin“, bei dem queere Frauen miteinander vernetzt werden.

„Ich hatte Glück, es war bisher nie etwas, das großartig eskaliert ist. Aber es gab eine Situation, die würde ich heute auf jeden Fall anzeigen: Ich wurde mal mit einem Messer bedroht. Das war so vor fünf Jahren, ich hatte ein Date und habe den Typen auf der Straße geküsst. Da kam ein Mann auf uns zu, er fummelte in seiner Hosentasche und zückte ein Messer. Ich war so geistesgegenwärtig und habe nach seiner Hand gegriffen und sie nach oben gerissen.

Ich bin sehr groß und stämmig und weiß meine körperliche Präsenz zu nutzen: Ich habe mich vor ihm groß gemacht und ihn angebrüllt. Das war an der Sonnenallee, direkt um die Ecke von der Polizei, ich hätte ihn dorthin zerren können. Das habe ich damals nicht gemacht. Der Typ ist dann in den Bus gestiegen und weggefahren.

Tatsächlich habe ich mir in den letzten Jahren angewöhnt, dazwischenzugehen, wenn Sachen zu krass sind, mich dazwischenzustellen und laut zu brüllen. Das wirkt Wunder. Es ist eine Frage der Zivilcourage. Ich hatte auch mal eine Phase, in der ich nicht so selbstbewusst aufgetreten bin. Vor meiner Transition hatte ich oft das Gefühl, ich werde angestarrt in der U-Bahn, ich bin ungern U-Bahn gefahren. Dabei starren die Leute, weil ich eine große Frau bin. Das ist das Ungewöhnliche.

Damit hat das viel zu tun: Inwieweit fällt man auf? Ich habe ein gutes Passing, das heißt, ich falle als trans Person gar nicht auf, solange ich nicht spreche. Bekannten von mir, die als trans Personen auffallen, passiert super viel. Das ist die Hölle, was sie erleben.“

Kaey ist Redakteurin beim queeren Stadtmagazin Siegessäule, trans Aktivistin, Sängerin und Dragqueen. Sie organisiert Demos, etwa den Trans March 2016. Protokoll: Nicole Opitz

Ein anderes Projekt des Senats ist die Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt“ (IGSV). Sie verfolgt 92 Einzelmaßnahmen, zu denen auch das bundesweit erste Monitoring zu queerfeindlicher Gewalt gehört, das im Dezember 2020 veröffentlicht wurde – mit dem Schwerpunkt lesbenfeindlicher Gewalt. Das Monitoring soll künftig mit wechselnden Schwerpunkten alle zwei Jahre durchgeführt und veröffentlicht werden.

Justizsenator Behrendt will damit nicht nur das Bewusstsein für Gewalt gegen LGBTIQ* stärken, sondern auch Betroffene dazu bringen, Vorfälle zur Anzeige zu bringen: „Berlin hat ein sehr gut ausgebautes System aus Verfolgung bei den Strafverfolgungs- und Ermittlungsbehörden sowie Hilfe bei den Fachberatungsstellen. Der Monitoring-Bericht soll diese Arbeit ergänzen“, heißt es in seinem Pressestatement zur Veröffentlichung des ersten Berichts.

Das Monitoring zu trans- und homophober Gewalt wurde durchgeführt von der Camino gGmbH, die praxisnahe Forschungen und Evaluationen erstellt. Dafür wertete Camino auf knapp 230 Seiten polizeiliche Daten aus und führte Interviews, Exper:innengespräche und Diskussionen durch. Ergänzt wird das Monitoring durch Onlinebefragungen, um abschätzen zu können, wie viel queerfeindliche Gewalt tatsächlich ausgeübt wird – denn Polizei, Senat und die LGBTIQ*-Community gehen von einem besonders großen Dunkelfeld in diesem Kriminalitätsbereich aus – also von zahlreichen queerfeindlichen Taten, die nicht angezeigt werden.

Dabei ist die Anzeigebereitschaft in der Hauptstadt im Vergleich zu anderen Bundesländern hoch: Gewalt an queeren Menschen wird hier besonders häufig angezeigt. 2018 gab es in ganz Deutschland 351 Anzeigen wegen antiqueerer Gewalt, davon 255 in Berlin. Das liegt wohl auch daran, dass in keinem anderen Bundesland so aktiv von Politik, der queeren Community, der Staats­anwaltschaft und der Polizei gefordert wird, queerfeindliche Gewalt anzuzeigen.

Lesbische Sichtbarkeit beim Dyke* March 2020 in Berlin Foto: Christian Mang

Das war nicht immer so: Bis 1994 galt im Strafgesetzbuch der Paragraf 175, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte. Bis in die 1990er Jahre hinein war die Verfolgung von queeren Männern durch die Polizei also ganz offiziell erlaubt.

Bis heute sitzt die Skepsis gegenüber der Polizei tief – auch in der Berliner LGBTIQ*-Community: Etwa ein Fünftel der für das Monitoring Befragten möchte queerfeindliche Gewalt prinzipiell nicht anzeigen. Und: „Einige Befragte (16 Prozent) sehen auch von einer Anzeige ab, weil sie Angst vor Diskriminierung durch die Polizei haben“, heißt es in der Publikation.

Sebastian Stipp, einer der beiden Ansprechpartner:innen für LSTBI (Lesben, Schwule, bi, trans und inter Personen) bei der Berliner Polizei, versteht die Vorbehalte: „Aber es hat sich eine Menge verändert, seitdem 1992 unsere Dienststelle eingerichtet wurde. Wir sind auf einem guten Weg.“ Die Ansprechpersonen für LSTBI beraten Betroffene queerfeindlicher Straftaten, nehmen Anzeigen auf und bilden gemeinsam mit Opferhilfeorganisationen Polizist:innen darin aus, queersensibel zu sein. „Wir sind auf das LSBTI-Netzwerk angewiesen und gehen auch aktiv auf die Szene zu, um den Menschen zu erklären, was wir machen“, erklärt Stipp. Das habe dazu geführt, dass die Anzeigen gegen LSTBI-Gewalt von 2018 auf 2019 um über 50 Prozent gestiegen seien. Damit sei die Hasskriminalität sichtbarer geworden.

Gute Zusammenarbeit

Bastian Finke vom schwulen Anti-Gewaltprojekt Maneo erzählt aus der eigenen Opferhilfearbeit: „Ich verstehe, dass es Menschen gibt, die Gewalttaten nicht anzeigen. Manche von ihnen sagen: Vor 30 Jahren war die Polizei unser Gegner.“ Aber eine Anzeige könne eine Form der Wehrhaftigkeit sein. „Manche sagen: Wir wollen, dass es in die Statistik kommt.“ Finke leitet Maneo seit über dreißig Jahren. Dort werden Zeug:innen, Opfer und deren Angehörige von schwulenfeindlicher Gewalt beraten, es wird Präventionsarbeit geleistet und vernetzt. Er betont, dass die Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft sehr gut funktioniere und er Betroffenen auch die Vorteile einer Anzeige erkläre: Die Statistik bringe die Arbeit zur Gewaltprävention voran, weil durch erhobene Daten Handlungsstrategien entwickelt werden können. „Aber niemand wird zur Anzeige überredet.“

„Meine Freundin und ich sind Arm in Arm auf einem Waldweg gelaufen, als uns eine ältere Frau entgegenkam. Sie war im Rentenalter. Sie hat uns im Vorbeigehen angeschrien: Wenn das Feuer ausbricht, dann wird es mir um euch nicht leidtun, und lauter solche Sachen. Wir sind weitergegangen. Uns wurde erst im Laufe des Tages klar, dass man uns den Tod gewünscht hat. Das hat die nächsten Tage meinen Blick verändert. Bei jeder Person, die mich angeguckt hat, habe ich mich unwohl gefühlt. Ich habe mich ständig gefragt, ob das wieder passiert. Wir haben das nicht ­angezeigt. Das ging zu schnell.“

Karo (33) ist Lehrerin an ­einer Gemeinschaftsschule und Teil des Kollektivs Nipple­liberation­army. Protokoll: Nicole Opitz

Auch Jörg Steinert, bis Ende 2020 Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD), beschreibt die Zusammenarbeit mit der Polizei als sehr gut. Der LSVD ist die größte queere Organisationen in Deutschland und für viele queere Menschen erste Anlaufstelle bei Gewalterfahrungen. Steinert sagt: „Berlin ist bei der Arbeit gegen Homophobie ein vorbildliches Beispiel, auch wenn die Auseinandersetzung mit Hasskriminalität mit negativen Schlagzeilen einhergeht.“ Gerade weil in Berlin so aktiv gegen anti-queere Gewalt vorgegangen werde, würde das Thema aus der Tabu-Ecke geholt werden. „Trotzdem ist das Hellfeld in Berlin nicht besonders groß“, sagt er.

Das Hellfeld – gemeint sind damit die Taten, die tatsächlich angezeigt werden. Dass queere Menschen Gewalt oft nicht anzeigen, ist für Steinert nichts Neues: „Das Anzeigeverhalten ist niedrig, weil viele Betroffene ihre Erfahrungen bagatellisieren und meinen: ‚Ich wurde nur angespuckt‘.“ Laut Monitoring werden von 97 lesbenfeindlichen Übergriffen nur drei angezeigt.

Besonders häufig kommt Gewalt gegen LGBTIQ* laut dem Monitoring in den Bezirken Mitte, Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg vor – eben „überall dort, wo die Sichtbarkeit von LGBTIQ* gegeben ist“, so Steinert: „Dort sind sie auch sichtbar für Menschen, die hasserfüllt sind.“

Bei Großveranstaltungen wie dem jährlichen Christopher-Street-Day (CSD) ist die Wahrscheinlichkeit für queerfeindliche Gewalt deshalb besonders hoch. 67,3 Prozent der gemeldeten queerfeindlichen Gewalt finden im öffentlichen Raum statt – also in der U-Bahn, im Café oder auf der Straße. Am Wochenende ist die Wahrscheinlichkeit höher, Opfer von queerfeindlicher Gewalt zu werden: 40 Prozent aller Anzeigen betreffen Vorfälle an Samstagen und Sonntagen.

Der Bericht zeigt auch: Gewalt gegen LGBTIQ* passiert meist spontan, im öffentlichen Raum, von Männern und ist selten extremistisch motiviert. Nur in elf Prozent der Fälle ist die Tat durch Extremismus geprägt, also nach der Definition der Polizeistatistik „gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“ gerichtet. Das heißt: Queerfeindlichkeit ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Täter:innen finden sich in jedem Milieu. Die meisten Gewaltangriffe sind nicht körperlich, sondern verbal. Von im Monitoring 109 befragten queeren Frauen erlebten 52 Prozent in den letzten fünf Jahre verbale Gewalt.

Wichtige Solidarität: Berliner Gedenken für Opfer eines homophoben Anschlags in Orlando 2016 Foto: snapshot/seeliger

Und obwohl die polizeiliche Statistik Meldungen binär erfasst und 83 Prozent der Opfer queerer Gewalt Männer sind, gibt es auch für queere Frauen eine große Gefahr, Gewalt zu erfahren: „Jede Lesbe/queere Frau* muss damit rechnen, zum Opfer lesbenfeindlicher Gewalt zu werden“, steht im Monitoring. Häufig werde lesbenfeindliche Gewalt nicht als solche erkannt. Laut Monitoring sind unter 100 Menschen, die antiqueere Gewalt anzeigen, nur 16 Frauen.

Woran liegt es, dass queere Frauen ihre Gewalterfahrungen weniger oft sichtbar machen? „Es liegt nicht daran, dass die Frauen sich zurücklehnen“, sagt Ina Rosenthal, frauen- und geschlechterpolitische Sprecherin der Berliner Grünen und Leiterin des Vereins RuT – Rad und Tat (Offene Initiative Lesbischer Frauen in Neukölln), der eng mit den Autor:innen des Monitoring zusammenarbeitete. „Frauen werden auch 2020 noch dazu aufgefordert, sich zurückzunehmen.“ Weil von ihnen erwartet werde, still zu sein, nicht aufzufallen, so Rosenthal, würden sie auch Unrecht eher abtun: „Einzufordern, dass man Gewalt anzeigt, ist dann ein Widerspruch dazu, nicht aufzufallen.“

Ein weiteres Problem, das Rosenthal sieht, ist das Zusammentreffen verschiedener Diskriminierungen: „Wenn man körperlich eingeschränkt ist, kann man sich überhaupt nicht so stark wehren.“ Wer nicht lesen könne, sei darauf angewiesen, dass andere ihm:ihr vorläsen. „Wenn ich sexuelle Gewalt erlebe von der Person, auf die ich angewiesen bin und die sagt, das machen alle so, untergräbt es das eigene Unrechtsbewusstsein.“ Das führe dazu, dass Behinderte nicht wüssten, an wen sie sich wenden können.

Die besondere Betroffenheit von Mehrfachdiskriminierten stellt auch das Monitoring fest: „Mehrfachdiskriminierung, also Erfahrungen mit weiteren vorurteilsmotivierten Diskriminierungen neben Homophobie, ist häufig“, steht dort. Etwa 17 Prozent der angezeigten Queerfeindlichkeit betreffe auch andere Dimensionen der Gewalt wie Antisemitismus, Rassismus oder Behindertenfeindlichkeit.

„Ich habe in meinem Leben schon viel lesbenfeindliche Gewalt erlebt. Vergangenen Sommer habe ich auf der Straße vor unserem Verein im Schillerkiez in Neukölln vor laufender Kamera ein Statement zum Thema ‚Queere Menschen in der Corona­krise‘ abgegeben; plötzlich haben sich drei Männer hinter den Kameramann gestellt und mich als ‚Scheiß-Lesbe‘ beschimpft und gesagt: ‚Wir machen dich kaputt.‘ Ich habe dann versucht, zu deeskalieren, aber es hat sich zunehmend hochgeschaukelt, es gab Gewaltandrohungen. Ich habe die Polizei gerufen. Erschreckend war aber auch, dass keine:r der Passant:innen nachgefragt hat oder dazwischengegangen ist. Es standen mehrere Leute in der Nähe. Auch deshalb gehe ich an die Öffentlichkeit: Wir müssen anfangen, darüber zu reden. Nachdem ich diesen Vorfall öffentlich gemacht hatte, haben mir viele queere Menschen geschrieben: ‚Mensch, hey, danke, ich hätte mich das nicht getraut, mir ist Ähnliches passiert.‘ Einen Tag nach dem Angriff habe ich Anrufe aus der Politik, von einer Staatsanwältin und dem Senator für Justiz und von vielen, vielen Kolleg:innen bekommen, die mir ihre Hilfe und Unterstützung angeboten haben. Das hat mich sehr gerührt. Da habe ich gemerkt: Wenn es knallt, dann stehen wir zusammen.“

Ina Rosenthal (53), frauen- und geschlechterpolitische Sprecherin des Landesvorstandes Bündnis 90/Grüne und Leiterin des Vereins Rad und Tat (Offene Initiative Lesbischer Frauen in Neukölln). Protokoll: Nicole Opitz

Uwe Marlaine Mädger, Vorstand von TransInterQueer e.V. (Triq), betont die Gewalt, die trans, inter und non-binäre Menschen im Medizinbereich erfahren: „Bei der Begutachtung, der sich transitierende Menschen unterziehen müssen, wenn sie das Geschlecht verändern wollen, geschieht manchmal Gewalt durch mangelndes Einfühlungsvermögen der Ärzte.“ Mädger bemängelt, dass auf diese Art der Gewalt im aktuellen Monitoring nicht vertiefend eingegangen wird – und hofft, dass das im nächsten Bericht nachgeholt wird.

Das nächste Monitoring wird transfeindliche Gewalt zum Schwerpunkt haben. Im aktuellen Monitoring steht: „Bereits jetzt ist nämlich klar, dass Trans*-Personen in besonders hohem Maß Opfer von Gewalttaten und insbesondere von körperlichen Angriffen werden.“ Das Monitoring zitiert eine Erhebung, nach der sechs Prozent der befragten LGBTIQ*-Personen angaben, innerhalb der letzten zwölf Monate Gewalt erlebt zu haben – unter den befragten trans Personen waren es 8 Prozent. Transfeindlichkeit ist also eine besonders verbreitete Form der Queerfeindlichkeit.

Mehr Hilfe für Opfer

Auch Bastian Finke, der Leiter des schwulen Anti-Gewaltprojekts Maneo, steht dem Monitoring kritisch gegenüber: „Ich will das gar nicht kleinreden. Es ist wichtig, dass darüber gesprochen wird.“ Es mangele aber nicht an Studien, sondern an konkreten Handlungen. „Die Opferhilfe sollte ausgebaut werden.“ Der Senat hat im Rahmen der Umsetzung der IGSV bereits Antigewaltprojekte ausgebaut, die sich an queere Frauen richten. Dazu gehören das Antigewalt- und Antidiskriminierungsprojekt LesMigraS der Lesbenberatung und L-Support.

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