Gewalt gegen Kinder: Unerkannte Pandemie

Es sind alarmierende Zahlen, die am Montag in Berlin vorgestellt wurden: Übergriffe gegen Kinder haben zugenommen, besonders im Internet.

Ein Mädchen schlägt die Hände vors Gesicht

Bei Gewalt gegen Kinder gibt es eine große Anzahl nicht aufgeklärter Fälle Foto: Nicolas Armer/dpa

BERLIN taz | Gewalt gegen Kinder hat das Ausmaß einer Pandemie, wird aber nicht so entschlossen bekämpft. Das geht aus Zahlen der Polizei für 2019 hervor, die am Montag vorgestellt wurden. Präsentiert wurden die Ergebnisse unter anderem vom Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, vom Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, und von der Deutschen Kinderhilfe.

Laut den Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik starben letztes jahr insgesamt 112 Kinder an den Folgen von Gewalt. 15.936 Fälle von sexuellem Missbrauch verzeichnete das Bundeskriminalamt, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um knapp neun Prozent. Die Zahl der Vergewaltigungen von unter 14-Jährigen stieg um 19,9 Prozent, von 179 auf 218 Fälle. Neu ist die Erkenntnis, dass mehr als 10 Prozent der Tatverdächtigen selbst Kinder unter 14 Jahren sind, und gut 21 Prozent zwischen 14 bis 18 Jahre alt. Rainer Becker, Vorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, forderte mehr Forschung und Prävention, die bereits im Kita-Alter ansetzen müsse.

BKA-Chef Münch hob den alamierenden Zuwachs bei Herstellung, Besitz und Verbreitung von Missbrauchsabbildungen, sogenannter Kinderpornografie, hervor: Hier stiegen die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um knapp 65 Prozent auf 12.262 Fälle.

Obwohl die Polizei immer mehr Personal einsetze und die Zusammenarbeit mit Meldestellen aus den USA und Kanada effizient laufe, gebe es eine gewaltige Anzahl nicht aufgeklärter Fälle, so Münch. Der Unabhängige Missbrauchsbeauftragte Rörig forderte in diesem Zusammenhang eine EU-Rechtskonforme Vorratsdatenspeicherung und eine nationale Kraftanstrengung für mehr Kinderschutz.

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