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Geständnis im RAF-Prozess

Andrea Klump gesteht Beteiligung an Anschlag auf US-Militärstützpunkt in Spanien ein. „Keine RAF-Sache“, sagt Klump. Unbekannte Palästinenser als Drahtzieher beschuldigt

STUTTGART dpa ■ Die mutmaßliche RAF-Terroristin Andrea Klump hat erstmals ihre Beteiligung an einem gescheiterten Anschlag auf einen US-Militärstützpunkt im Jahr 1998 in Spanien gestanden. „Ja, ich war beteiligt“, sagte sie gestern vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. Allerdings sei der Anschlag „keine RAF-Sache“ gewesen, sondern „die Flucht vor meiner damaligen Lebenssituation“, sagte die 43-Jährige. Hintermänner des Anschlags seien Palästinenser gewesen. Ihre Mitgliedschaft in der RAF bestreitet sie nach wie vor.

Klump war am 15. September 1999 in Wien festgenommen worden. Ihr bewaffneter Lebensgefährte Horst Ludwig Meyer war bei der Festnahme erschossen worden. Seit November 2000 muss sich Klump vor Gericht verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Weitere Anklagepunkte sind versuchter Mord, erpresserischer Menschenraub und Geiselnahme.

„Für mich war die Beteiligung an dem Anschlag eine Möglichkeit, aus dem Libanon auszubrechen und wegzukommen“, gestand Klump unter Tränen. Klump hatte sich im Sommer 1984 in den Libanon abgesetzt. Mit Meyer und einem anderen Mann zusammen plante sie nach eigenen Angaben den Sprengstoffanschlag auf einen Nato-Flotten- und Luftwaffenstützpunkt im spanischen Rota. Über die Identität des zweiten Mannes wollte sich Klump nicht äußern.

„Es sollte möglichst großer materieller Schaden entstehen, ohne Menschenleben zu gefährden“, sagte Klump. Der Anschlag misslang jedoch, als bei der Montage des aus 13,5 Kilogramm bestehenden Sprengsatzes an einem Mofa eine Zündvorrichtung vorzeitig explodierte. An die folgende Schießerei mit der spanischen Polizei kann sie sich nach eigenen Angaben nur noch bruchstückhaft erinnern.

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