Gemeingefährliche Türklinken: Der Corona-Putz

Meine Frau beschloss, den Coronaviren durch eine Putzaktion auf den Leib zu rücken. Doch das ging nach hinten los.

Eine Person mit Putzhandschuhen kniet hinter einem Putzeimer.

Alles für die Hygiene: Wenn Corona zu Putzeinsätzen führt Foto: dpa

„Osman, jetzt wo wir ohnehin nicht in Urlaub fahren können, lass uns die Wohnung doch mal gründlich reinigen und die ganzen bösen Coronas rauswerfen.“

„Eminanim, Coronaviren sind doch keine dicken, fetten Ratten, die du einfach mit einem Besen raus prügeln kannst.“

„Wo es sauber ist, da nisten sich keine Krankmacher ein“, ruft sie und zieht sich dünne Plastikhandschuhe an.

„Ach so, du willst die Viren rausoperieren“, sage ich.

„Osman, geh du mal zwei große Putzeimer kaufen“, befiehlt Eminanim.

Wenn sie auch nicht die Coronaviren vertreibt, so vertreibt sie doch wenigstens unseren Lagerkoller, tröste ich mich.

Als ich kurze Zeit später mit zwei großen Metalleimern bewaffnet unser Treppenhaus betreten will, ist es nicht mehr da – unser Treppenhaus meine ich. Stattdessen empfängt mich ein Wasserfall. Stärker als die Niagarafälle. Eminanim hat sich anscheinend vorgenommen, alle Coronaviren in unserer Straße jämmerlich zu ersäufen.

Zuerst muss aber der Opa Prizibilsky aus der unteren Etage daran glauben. Er steht in der halboffenen Tür mit ganz offenem Mund da und bewundert das Naturschauspiel.

„Wir machen dem Corona den Garaus“, erkläre ich ihm. „Ihre Wohnung wird in der nächsten Zeit etwas nass sein, aber dafür völlig coronafrei.“

Als ich mich zur Quelle des Wasserfalls durchgekämpft habe, sehe ich, dass Eminanim eifrig dabei ist, sämtliche Tapeten von den Wänden zu reißen.

„Osman, ich habe eben im Radio gehört“, schnauft sie, „dass Corona sich bis zu zwei Tage lang an Papier festkrallen kann, das böse Vieh! Also weg damit! Zieh dir diese gelben Gummistiefel an und mach bitte alle Türen weg.“

„Unsere Türen sind doch nicht aus Papier.“

„Ich habe eben im Radio gehört, dass Corona sich drei Tage lang an Türklinken festbeißen kann.“

„Ach so, du meinst, ich soll alle Türklinken abbauen?“

„Nein, ich meine, du sollst alle Türen abmontieren. Wo keine Türen sind, da sind auch keine Viren-verseuchten, gemeingefährlichen Türklinken. Und tausche bitte auch alle Lichtschalter und die Steckdosen aus. Ich habe im Radio gehört, dass sich Corona fünf Tage lang an Plastik festkrallen kann.“

Es dauert drei Tage, bis wir unsere Wohnung komplett auf links gedreht haben.

Am Morgen des vierten Tages weckt mich Eminanim: „Steh auf, Osman, steh sofort auf! Wir müssen wieder von vorne anfangen!“

„Warum? Wieso? Ist schon wieder Corona-Alarm?“, stammele ich schlaftrunken.

„Ja! Unser Hausmeister Krummsack hat im Treppenhaus zwei Mal gehustet und zwar ziemlich laut.“

„Mach dir keine Sorgen, der Kerl und seine Viren bleiben hübsch draußen vor der Tür.“

„Wie denn, du Dummchen?! Du hast doch alle unsere Türen ausgebaut!“

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ist Satiriker in Bremen. Er liest seine Geschichten im Radio bei Cosmo unter dem Titel „Alltag im Osmanischen Reich“. Sein Longseller ist der Krimi „Tote essen keinen Döner“ (dtv).

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