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Geheimsache Urangift

Bundesverteidigungsministerium hüllt sich in Schweigen. Verdacht erhärtet sich, dass uranhaltige Munition im Kosovokrieg Krebs hervorgerufen hat. Italien verlangt Aufklärung von der Nato

GENF/BERLIN taz ■ Wesentliche Einzelheiten der Untersuchung deutscher Kosovo-Soldaten auf etwaige Verseuchung durch urangehärtete Munition sollen geheim bleiben. Das Bundesverteidigungsministerium ist nicht bereit, Fragen nach der Methode und den Kriterien der Untersuchung zu beantworten. Diese Fragen unterlägen „ der ärztlichen Schweigepflicht“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums gegenüber der taz. Auch zur Zahl der untersuchten Bundeswehrsoldaten wollte er „keine Angaben“ machen. Damit bleibt unklar, ob die Soldaten tatsächlich umfassend auf eine Ablagerung hochgiftiger, radioaktiver Uranstäube in ihren Körpern untersucht wurden oder ob nur eine klassische Untersuchung auf radioaktive Verstrahlung stattfand, mit der sich eine Verseuchung in der Regel nicht feststellen lässt.

In Italien ist unterdessen ein sechster Soldat nach einem Balkaneinsatz an Leukämie gestorben. Der 24-Jährige war 1996 in Sarajevo stationiert. Damit erhärte sich der Verdacht, dass uranhaltige Munition der Nato Krebs hervorgerufen habe, berichtete das staatliche italienische Fernsehen. Staatspräsident Ciampi und Ministerpräsident Amato forderten am Mittwoch Aufklärung durch die Nato. Nach Italien, Spanien, Portugal, Belgien und den Niederlanden haben auch Finnland und die Türkei mit der Untersuchung ihrer seit 1999 im Kosovo eingesetzten Soldaten begonnen. Die griechische Regierung dementierte einen Bericht der Londoner Times, wonach griechische Soldaten, die im Kosovo stationiert waren, an Krebs erkrankt seien.

ANDREAS ZUMACH

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