Geflüchtete in Paris: Kein Platz zum Schlafen

Zahlreiche Geflüchtete hausen in Paris auf der Straße – ohne Zelt und ohne Decke. Ihre Camps werden immer wieder von der Polizei zerstört.

Ein Mann mit Mund-Nasenmaske schaut aus einem Zelt heraus.

Manch einer ist schon glücklich, wenn er ein Zelt zum Schlafen hat Foto: Alexandra Henry/Utopia56/ap

PARIS taz | Sie kommen aus Afghanistan, dem Sudan oder Somalia und irren nachts durch die Straßen von Paris. „Wir haben keinen Platz zum Schlafen, kein Zelt, keine Decke“, schildert Abakar, ein 27-jähriger Sudaner, seine Situation in der Zeitung Le Monde. Seit die Polizei das Lager in Saint-Denis im Norden der Stadt im November auflöste, leben zahlreiche Geflüchtete auf der Straße.

300 bis 400 sind es laut der Schätzung von Utopia 56. Im November hatte die Hilfsorganisation mit Hunderten Afghanen den Platz der Republik besetzt, um auf die Misere der „exilés“ aufmerksam zu machen. Doch Polizist:innen vertrieben die Migranten mit Schlagstöcken und Tränengas, jagten sie durch die benachbarten Straßen.

„Die Aktion wirft ein Licht darauf, wie die Geflüchteten von der Polizei behandelt werden“, sagt der Pariser Koordinator von Utopia 56, Kerill Theurillat, der taz. Mit der Besetzung erreichte die Organisation aber immerhin, dass 550 Unterkünfte zusätzlich geschaffen wurden.

Schon seit Jahren konzentrieren sich die Geflüchteten auf den Großraum Paris, wo 50 Prozent aller Asylanträge gestellt werden bei nur 19 Prozent der Unterbringungsmöglichkeiten. Nur knapp ein Drittel der Asylbewerber:innen lebt laut Innenministerium in einer Erstaufnahmeeinrichtung. Hunderte Menschen hausen deshalb in Igluzelten und Schlafsäcken unter Eisenbahnbrücken oder Autobahnzubringern – ohne fließendes Wasser und Toiletten. In Saint-Denis waren es zuletzt rund 3.000 Geflüchtete. Schon mehr als 60 Mal löste die Polizei solche Lager auf.

Da der Pariser Polizeipräfekt Didier Lallement weiterhin keine Camps in der Hauptstadt zulässt, ziehen sich die Geflüchteten immer mehr in die nördlichen Vorstädte zurück. Dort schlagen sie sich einzeln oder in Kleingruppen durch. Mehr als 130 Lo­kal­politiker:innen aus dem Pariser Norden forderten kürzlich in Le Monde eine „würdige Aufnahme“ von Geflüchteten und Obdachlosen. Sie wollen ein Treffen von Hilfsorganisationen, staatlichen Ver­treter:innen und Lo­kalpolitiker:innen, um das Problem endlich gemeinsam anzugehen.

4.500 neue Aufnahmeplätze sollen 2021 geschaffen werden, verspricht das Innenministerium. Den Ap­pell­unterzeichner:innen zufolge fehlen aber mindestens 20.000 Übernachtungsmöglichkeiten. Marlène Schiappa aus dem Innenministerium kündigte auch an, dass Geflüchtete ab Januar systematisch aus dem Großraum Paris in Regionen mit mehr Unterbringungsplätzen verlegt werden sollen. Im Juli war Frankreich wegen unmenschlicher Lebensbedingungen für Asylsuchende vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt worden. Geändert hat sich bis jetzt wenig.

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