Gefälschtes Bild zu US-Verhaftung: Was das Weiße Haus uns sagen will
Bei einer Protestaktion gegen einen ICE-nahen Pastor wird eine US-Bürgerrechtlerin verhaftet. Ein Bild, das von ihr verbreitet wird, ist manipuliert.
epd/taz | US-Justizministerin Pam Bondi hat am Donnerstag (Ortszeit) die Festnahme von drei Personen wegen Protesten gegen die Einwanderungsbehörde ICE bekannt gegeben.
Sie hatten am vergangenen Sonntag in einer Kirche in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota die Einwanderungsbehörde lautstark kritisiert. Eine der drei, die Rechtsanwältin und Bürgerrechtlerin Nekima Levy Armstrong, bezeichnete die Aktion in CNN als „friedfertige Störung“.
Ihr christlicher Glaube motiviere ihren Aktivismus, insbesondere gegen einen Pastor der Gemeinde, der zugleich in einer örtlich führenden Position für ICE tätig sei. ICE gehe mit extremer Brutalität in Minneapolis vor.
Wie diverse US-Medien und der Guardian berichten, blieb es nicht bei dieser Festnahme. Das Weiße Haus veröffentlichte zunächst auf X ein reales, eine Stunde später dann ein digital bearbeitetes Bild von Nekima Levy Armstrong, auf dem der Eindruck erweckt wird, sie wäre bei ihrer Verhaftung verzweifelt und würde weinen.
Volle Absicht
Dabei handelte es sich durchaus nicht um ein Versehen oder einen plumpen Täuschungsversuch. Denn auf die Nachfrage des Guardian, ob das Bild digital verändert worden sei, antwortete das Weiße Haus mit einem Beitrag auf X von Kaelan Dorr, dem stellvertretenden Kommunikationsdirektor.
„NOCH EINMAL an alle, die das Bedürfnis verspüren, reflexartig die Täter abscheulicher Verbrechen in unserem Land zu verteidigen: Ich teile Ihnen folgende Botschaft mit: Die Strafverfolgung wird fortgesetzt. Die Memes werden weitergehen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit.“
Was bedeutet, dass nicht einfach ein gefälschtes Foto in Umlauf gebracht wird; sondern dass dieses Foto eine Botschaft der Schwäche des zum „Täter“ erklärten Gegners vermitteln soll und eine der Stärke, Konsequenz und Erbarmungslosigkeit der handelnden Autorität.
Während in einem Rechtsstaat die Behörden in Versuchung geraten können, Verstöße gegen diese Rechtsstaatlichkeit zu vertuschen, betonen autoritäre Regime ihre Fähigkeit, den zum Feind erklärten Staatsbürger zu erniedrigen und ihm Schmerzen zuzufügen.
Nach Angaben des Guardian hat der X-Account des Weißen Hauses mit seinen rund 3,5 Millionen Followern, seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit mindestens 14 Beiträge mit KI veröffentlicht.
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