Gedenken an Anschlag in Halle: Menschenkette blockiert AfD-Mann Tillschneider
Jüdische Studierende haben sich dem neuen Landtagsvizepräsidenten Hans-Thomas Tillschneider in den Weg gestellt. Der rechtsextreme AfD-Vordenker war beim Gedenken an den rechtsextremistischen Anschlag aufgetaucht.
Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Studierende haben dem AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider den Weg zur Gedenkveranstaltung an den rechtsextremistischen Anschlag in Halle versperrt. Darüber berichtete zuerst die Jüdische Allgemeine (JA). Der in Sachsen-Anhalt frisch gewählte Vizelandtagspräsidenten Tillschneider hatte zuvor angekündigt, an der Veranstaltung teilzunehmen.
An der Blockade beteiligt waren Aktivist:innen der Jüdischen Studierendenunion, die mit einer Menschenkette dem AfD-Politiker den Zutritt zur Synagoge versperrten. „Ein gesichert rechtsextremer Parteivorsitzender hat bei unserem Gedenken keinen Platz. Wir lassen dieses Gedenken nicht vereinnahmen. Es geht hier an erster Stelle um die Opfer“, erklärte Noami Tamir von der JSUD gegenüber der JA.
Tillschneider beschwerte sich daraufhin, er sei eingeladen worden. Gegenüber der JA sagte der Gemeindevorsitzende Max Privorozki, es sei eine öffentliche Veranstaltung gewesen, eine persönliche Einladung an Tillschneider habe es nicht gegeben.
Scharfe Kritik für die versuchte Teilnahme kam derweil vom langjährigen Präsidenten des Zentralrates der Juden, Josef Schuster. Dieser sagte auf Anfrage der JA, Tillschneider „verhöhne die Opfer des Anschlags von Halle“. Den Wunsch der Jüdischen Gemeinde, das Gedenken nicht politisch zu instrumentalisieren, habe Tillschneider „mit Füßen getreten“, so Schuster weiter.
Empfohlener externer Inhalt
Tillschneider gilt als Scharfmacher und steht innerhalb seiner rechtsextremen Partei am rechten Rand. Als ideologischer Kopf soll er maßgeblich an der Entwicklung des „AfD-Regierungsprogramms“ in Sachsen-Anhalt beteiligt gewesen sein. Er wird seit 2020 vom Landesamt für Verfassungsschutz als Extremist beobachtet und mehrmals namentlich in den Berichten des Verfassungsschutzes zur AfD genannt. Der 48-Jährige hat das Identitären-nahe Netzwerk Ein Prozent mitgegründet, ist Pegida-Freund und Putin-Verehrer.
Bei dem Anschlag vor sieben Jahren, am 9. Oktober 2019, feierte die Gemeinde gerade Jom Kippur, den höchsten jüdischen Feiertag, in der Synagoge mitten in Halle, als ein bewaffneter Mann versuchte, das Gebäude zu stürmen und die 52 Menschen darin zu erschießen. Er scheiterte. Stattdessen schoss er willkürlich auf Passant:innen, tötete erst Jana L., dann Kevin S. und verletzte weitere Personen.
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert