Gay Pride in Brasilien: Drei Millionen fordern mehr Rechte
Hunderttausende Menschen haben in São Paulo für mehr LGBT-Rechte demonstriert. Die Parade war auch ein Protest gegen die homophobe Politik des Präsidenten.
epd/ap | Drei Millionen Menschen haben nach Veranstalterangaben in São Paulo für die Gleichberechtigung von Homosexuellen demonstriert. Sie nahmen an der 23. Auflage der Gay-Pride-Parade teil, wie die Tageszeitung Folha de São Paulo berichtete. Dabei wurden im Zentrum der Millionenmetropole zahlreiche Plakate gegen den rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro hochgehalten, der mehrfach durch homophobe Aussagen für Empörung gesorgt hatte.
Rund 20 Umzugswagen zogen durch die Hauptverkehrsadern der Stadt, bekannte Künstler und Entertainer des Landes traten auf. Teilnehmer trugen eine riesige Regenbogenfahne vor sich her, viele zeigten sich mit Hüten, Armbändern und T-Shirts in einer ähnlichen Farbkombination. Als internationaler Gast trat Ex-Spice-Girl Mel C auf.
Die Gay-Pride-Parade in São Paulo gilt als eine der größten der Welt. Gewidmet war sie dem 50. Jahrestag des Stonewall-Aufstands in New York, wo Gäste der Bar Stonewall Inn sich im Jahr 1969 einer Polizeirazzia widersetzten und so dazu beitrugen, die Schwulen- und Lesbenbewegung in Gang zu setzen.
Vor Kurzem hatte das oberste Gericht in Brasilien Homophobie zur Straftat erklärt. Verbrechen aus Hass gegen Homosexuelle sollen demnach mit einer Gefängnisstrafe von einem bis zu fünf Jahren geahndet werden. Bolsonaro nannte die Entscheidung des obersten Gerichtshofs „komplett falsch“. Damit werde die Voreingenommenheit gegen Homosexuelle gefördert, meinte Bolsonaro.
LGBT-Aktivisten hatten schon lange gefordert, Homophobie als Hassverbrechen anzuerkennen. In den vergangenen Jahren haben in Brasilien Anfeindungen und Verbrechen gegen Lesben, Schwule und Transgender zugenommen, wie die Organisation Grupo Gay de Bahia (GGB) berichtet. Im vergangenen Jahr seien 420 Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ermordet worden. Der linke Politiker Jean Wyllys, der als einziger Abgeordneter im Parlament seine Homosexualität öffentlich gemacht hat, musste nach Morddrohungen ins Ausland fliehen.
Bolsonaro hat immer wieder den Hass gegen Afrobrasilianer, Homosexuelle und Indigene geschürt. Er hätte lieben einen toten als einen schwulen Sohn, hatte er in einem Interview gesagt. Im Parlament stellen Evangelikale eine der größten Gruppen. Auch sie lehnen Homosexualität ab. Verschiedene Abgeordnete wie der Pastor Marco Feliciano präsentierten Gesetzesvorhaben zur „Heilung von Homosexuellen“. Gleichzeitig sind in Brasilien die gleichgeschlechtliche Ehe und das Recht auf Adoption für homosexuelle Paare gesetzlich erlaubt.
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