Gaslager vor spanischer Küste gestoppt: Teurer Winterschlaf

Madrid stoppt nach mehreren Erdbeben den Betrieb eines Erdgaslagers im Mittelmeer. Der Betreiber wird entschädigt, zahlen müssen die Verbraucher.

Ein spanischer Gastanker durchfährt die Straße von Gibraltar. Bild: imago/westend61

MADRID taz | 1,35 Milliarden Euro plus Zinsen sind es, die Erdgaskunden in Spanien in den kommenden 30 Jahren zusätzlich zur monatlichen Gasrechnung abzahlen müssen. Diesen Betrag erhält das Unternehmen Escal UGS als Entschädigung für den Stopp eines Gaslagers vor der Mittelmeerküste.

Das Projekt mit dem Namen „Castor“ wird von der Regierung in „Winterschlaf“ versetzt. Denn die Probebefüllung der Kalksteinschicht auf 1.800 Meter unter dem Meeresboden provozierte über 500 Erdbeben, das heftigste mit einer Stärke von 4,6 auf der nach oben offenen Richterskala.

Die Befüllung wurde Ende September vergangenen Jahres auf Anweisung des Industrieministeriums gestoppt. Das Lager als solches, die Plattform, die zur Befüllung dient, sowie die Industrieanlage an Land sollten die Versorgungssicherheit Spaniens im Falle eines Lieferstopps für mindestens 17 Tage gewährleisten.

Eine Klausel in der Verordnung der damaligen sozialistischen Regierung unter José Luis Rodríguez Zapatero, mit der das „strategische Projekt“ ausgeschrieben wurde, sieht eine Entschädigung vor, falls der Betrieb des Lagers „ausgesetzt oder die Genehmigung vorzeitig beendet“ wird. Eine Klage der derzeitigen konservativen Regierung unter Mariano Rajoy, diese Klausel sei nicht zumutbar und ein Rechtsmissbrauch, wurde vom obersten Gericht zurückgewiesen. Escal UGS muss somit entschädigt werden.

Fehlende Voruntersuchung

Die Castor-Betreiberfirma gehört zu zwei Dritteln dem Baukonzern ACS. Dessen Eigentümer ist der Präsident des hauptstädtischen Fußballvereins Real Madrid, Florentino Pérez. Das Projekt wurde von der Europäischen Investitionsbank (EIB) mit 200 Millionen Euro unterstützt.

Die Befüllung habe „einen seismischen Prozess, der nicht untersucht wurde, ausgelöst“, heißt es in einem Gutachten der spanischen Geologischen Instituts, das nach der Erdbebenserie erstellt wurde. Vor dem Bau „wäre eine ausführliche Untersuchung notwendig gewesen“, heißt es weiter. Doch eine solche Studie gab es nie, und das obwohl auf der geologischen Karte der Küste vor der Region Valencia eine große tektonische Verwerfung eingezeichnet ist.

Diese Verwerfung „diene als Deckel für das Erdgaslager“, hieß es von Seiten der Betreiber. Dass eine große Verwerfung höchstwahrscheinlich auch Verästelungen hat, daran dachte niemand. Für die Erdbeben waren, so sind sich die Experten mittlerweile sicher, wohl ein Gewirr aus kleineren Verwerfungen, die auf keiner Karte eingetragen sind, verantwortlich. Das Gewicht und der Druck das Gases hat schlafende Naturgewalten geweckt.

Industrieminister José Manuel Soria möchte die Verbraucher mit einer Rechnung ganz besonderer Art beruhigen. Der Befüllungsstopp und die Entschädigung käme billiger als der Betrieb der Anlage, heißt es in einem Kommuniqué aus seinem Hause. „Ab 2017 sparen wir 110 Millionen pro Jahr“, rechnet das Ministerium vor.

Für die Lagerung des Gases waren jährlich 210 Millionen veranschlagt. Die Entschädigung verschlinge nur 100 Millionen. Spanien hat kein Gaslager, und das zum Schnäppchenpreis.

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