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Gäste bei Münchner SicherheitskonferenzVon Club bis Diplomatie – wer wo wie dabei sein darf

Familienfeier, Nachtclub, Weltpolitik: Die Gästeliste ist ein Politikum und Scheitern eingepreist.

Es werden mehr als 60 Staats- und Regierungschefs auf der Sicherheitskonferenz erwartet und damit mehr als je zuvor Foto: Liesa Johannssen/Reuters/Pool/dpa

K ürzlich entdeckte ich, gekritzelt an ein Haus einer europäischen Hauptstadt: „Bitte Welt hör auf, so blöd zu sein“! Volle Zustimmung. Derzeit ist die Welt tatsächlich sehr blöd. Noch blöder sind die, die bestimmen, wer wo wie dabei sein darf. Und wer nicht. Zumindest für jene, die sich der Entscheidung beugen müssen. Par excellence ist das gerade in München zu beobachten, wenn sich das Who’s who der Si­cher­heits­ex­per­t:in­nen und die Politikelite treffen.

Die Gästeliste ist ein Politikum und Scheitern ist eingepreist. Ob im Club oder in der Diplomatie. Das ist auch auf der Münchner Sicherheitskonferenz nicht anders. US-Vizepräsident JD Vance musste auf der Gästeliste stehen. Daran führte kein Weg vorbei. Auch wenn der Schock seiner Rede vom Vorjahr der Welt immer noch in den Knochen steckt.

Was ein Glück, dass die US-Administration Fakten schuf, und damit das bange Warten beendete. Vance kommt nicht, dafür US-Außenminister Marco Rubio, der anschließend zu Victor Orbán nach Ungarn reisen will. Der Ruf der Konferenz, die wichtigsten Player der Welt zusammenzubringen, wurde gewahrt. Geschenkt die Absicht Rubios mit seinem Europabesuch die spalterischen Fliehkräfte in der EU zu adeln.

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Bestimmt werden und bestimmen wollen, das ist ein ständiges Austarieren. Iranische und russische Offizielle kommen nicht nach München. Dafür die Hoffnung von Teilen der iranischen Opposition der Schah-Sohn Reza Pahlavi. Und ja, auch AfD-Vertreter.

Sprengkraft der Einladungsliste

Von der Sprengkraft der Einladungsliste war die Rede. Siko-Chef Wolfgang Ischinger beschwichtigte, dass nur Fachpolitiker der Rechtsaußenkräfte eingeladen wurden. Das ist ein bisschen so, wie mit dem cholerischen Freund der Nichte und der Familienfeier. Kommt er, gibt’s Stress. Darf er nicht, auch. Also besser vorab deeskalieren.

In der europäischen Hauptstadt mit dem Graffiti, das an der Blödheit der Welt verzweifelt, ist übrigens gerade keine Sicherheitskonferenz, aber Ballsaison. Klingt schöner, hat aber auch unschöne Aspekte: Ein Relikt aus Zeiten, in der die Gästeliste auch mal über Leben und Tod, Wohlstand und Armut entschied. Blöd war das damals wie heute.

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Tanja Tricarico
ausland
Schreibt seit 2016 für die taz. Themen: Außen- und Sicherheitspolitik, Entwicklungszusammenarbeit, früher auch Digitalisierung. Host der Fernverbindung, dem Auslands-Podcast der taz. Privat im Einsatz für www.geschichte-hat-zukunft.org
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