piwik no script img

Fünf FragenWas will Angela Merkel?

Taz-Parlamentsredakteur und CDU-Experte Lukas Wallraff über die Bundeskanzlerin

Was prägte Angela Merkel?

Ihre Anlaufschwierigkeiten. Laut eigener Aussage war sie ein "kleiner Bewegungsidiot", der erst spät und mühsam gehen lernte. Die anfängliche Außenseiterrolle als eher introvertierte Pfarrerstochter in der DDR. Dann aber schnell: die Erfahrung, mit Intelligenz, Weitblick und Hartnäckigkeit mehr Erfolg zu haben als viele Charismatiker, Großmäuler und Sportskanonen. Später: die Erfahrung, dass mächtige Männer Fehler machen, wenn sie mit Frauen zu tun haben, die wissen, was sie wollen und die sich partout nicht einschüchtern lassen. Politisch natürlich: die Unfreiheit in der DDR.

Was will Angela Merkel?

Lukas Wallraff (36) ist Redakteur im Hauptstadtbüro der taz. An der Union fasziniert ihn der bescheidene Anspruch: Hauptsache Regieren.

Respekt. Lange regieren. Nebenbei: Gegner austricksen und Schadenfreude. Vielleicht auch ein Ziel: Mehr Gleichberechtigung, bessere Chancen für Frauen in Führungspositionen zu ermöglichen.

Ist Angela Merkel eine Feministin?

Theoretisch: Nein. Praktisch: Ja. Sie tut etwas. Ohne sie hätte Familienministerin von der Leyen keine Chance. Und ihre Vorbildrolle als Frau an der Macht scheint sie durchaus zu genießen.

Wer sind ihre Gegner?

Helmut Kohl, Friedrich Merz und alle anderen, die sich als Opfer ihres Aufstiegs fühlen. Roland Koch, Kurt Beck und alle anderen aus ihrer Generation, die gerne Kanzler werden möchten. Alle Linken, die befürchten, dass Merkel mit ihrer taktischen Intelligenz und ihrem liberalen Image langfristig Mehrheiten für eine wirtschaftsfreundliche Politik organisiert.

Wer sind ihre Freunde?

Alle Unternehmer, die darauf hoffen, dass sie mit ihrer taktischen Intelligenz und ihrem liberalen Image langfristig Mehrheiten für eine wirtschaftsfreundliche Politik organisiert. In der Politik: vor allem jüngere Parteifreunde, die sie fördert und die von ihrem Aufstieg profitieren.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

0 Kommentare