Fête de la Musique

Mein Block, meine Blockflöte

Zur Fête de la Musique darf jeder öffentlich musizieren. Aber wie? In zehn Schritten zum professionellen Straßenmusiker.

Gruppe von Trommlerinnen

Bei der Fête de la Musique 2016 Foto: dpa

1. Allein oder zusammen?

Wer kein Profimusiker ist und sich trotzdem auf die Straße traut, sollte das besser mit mehreren tun. Das klingt voller, die Hemmschwelle liegt niedriger, und in der Gruppe wird es auch schneller lustig. Das Wichtigste bei Straßenmusik ist sowieso, dass es Spaß macht. Genau das strahlt man dann auch aus – und bekommt es von den Passanten gespiegelt. Im Umkehrschluss bedeutet das also: Wenn jemand lieber allein musiziert und sich mit einem Soloauftritt wohlfühlt: Nur zu!

2. Drinnen oder draußen?

Es ist Sommer, vieles spricht deshalb dafür, auf Bürgersteigen, Plätzen oder in Parks der Stadt einen Soundtrack zu verleihen. Ein kleiner Nachteil: Es bedarf schon eines lauten Instruments oder eines kleinen Verstärkers mit Batterien, sonst kommt man an vielen Orten gegen das Hintergrundrauschen nicht an. Nichts ist frustrierender, als gegen den Lärm anzusingen und sich selbst nicht hören zu können. Der Vorteil von Gängen in U-Bahnhöfen oder sonstigen Bauten: Sie sind zwar eher unschön, aber es hallt. Und es hat durchaus seinen Reiz, gerade diese urbanen Nichtorte mit Klang zu beleben.

3. Angemeldet oder nicht?

Die Sause Wie jedes Jahr zum kalendarischen Sommeranfang findet heute in Berlin, aber auch in anderen europäischen Städten die Fête de la Musique statt. Von 16 bis 22 Uhr treten über die Stadt verteilt auf Bühnen, Bürgersteigen und in Parks MusikerInnen auf. Ab 22 Uhr wird in Clubs, Cafés und Kneipen weitergefeiert.

Die Neuheit Erstmals ist ein gemeinsames Singen geplant: Um 19 Uhr sollen Chöre, MusikerInnen und alle, die Lust darauf haben, drei Stücke europaweit zeitgleich zum Besten geben: Beethovens „Ode an die Freude”, „Imagine“ von John Lennon und „Don’t Look Back in Anger” von Oasis. (all)

Offiziell braucht man für Musik auf der Straße zwar eine Sondernutzungsgenehmigung, in der Praxis wird Straßenmusik aber meist geduldet. Vor allem wenn man den Standort regelmäßig wechselt – also niemandem dauerhaft auf die Nerven geht. In einem Merkblatt haben die Behörden festgehalten, auf welchen Plätzen keine Musik gemacht werden darf; darunter fallen die Fußgängerzone in der Wilmersdorfer Straße, der Potsdamer Platz, aber auch der Alexander- und der Kollwitzplatz. In U-Bahnhöfen lässt es sich dagegen ganz legal musizieren. Dafür muss man mittwochs zwischen 7 und 11 Uhr zum Schalter am Wittenbergplatz kommen; dort erteilt die BVG für 7,50 Euro die Genehmigungen für die darauffolgende Woche. Die S-Bahn erlaubt Straßenmusik grundsätzlich nicht.

4. U-Bahn oder Bahnhof?

Auf jeden Fall Bahnhof. In den U-Bahn-Zügen zu spielen ist zum einen verboten. Zum anderen zwingt man die Leute zum Zuhören, sie sitzen fest und können nicht weg – keine schöne Situation. Das gilt übrigens auch für Cafés und Restaurants. Anders am Bahnhof: Hier können alle stehen bleiben oder weitergehen, wie sie wollen – genau wie auf Plätzen oder in Parks.

5. Frontal oder seitlich?

Intuitiv würde sich wohl jeder eher seitlich zu den vorbeigehenden Passanten positionieren, mit dem Rücken zu einer Wand oder einer Hecke. Es gibt aber Straßenmusiker, die es bevorzugen, sich frontal zum Strom zu stellen, um die Leute so direkt anzusprechen. Hilfreich ist es in jedem Fall, sich selbst eine kleine Bühne zu schaffen – indem man sich auf einen Teppich platziert oder etwas mit Kreide auf den Asphalt malt.

6. A cappella oder mit Instrument?

Instrumente machen generell mehr her. Wer sich allein mit seiner Stimme in die Öffentlichkeit traut, braucht ein gewisses Selbstbewusstsein und sollte wirklich in der Lage sein, den Ton zu halten. Gerade mehrstimmige Stücke können aber durchaus funktionieren.

Das Wichtigste bei Straßenmusik ist sowieso, dass es Spaß macht

7. Gitarre oder Saxofon?

Je nachdem, was man spielen kann. Gitarre und Akkordeon geben sowohl Harmonie als auch Rhythmus vor, insofern eignen sie sich für Straßenmusik besonders gut. Blasinstrumente dringen hingegen auch unverstärkt durch Lärm durch.

8. Altbekanntes oder Eigenes?

Grundsätzlich geht alles. Klar, Musik berührt Leute häufig dann, wenn sie sie kennen und damit etwas verbinden. Andererseits mag man die guten alten Evergreens oft selbst nicht mehr hören – und eigentlich auch nicht spielen. Auch hier gilt: Am besten die Stücke auswählen, die einem selbst richtig Spaß machen.

9. Moll oder Dur?

Wer an einem lauen Sommerabend gute Laune verbreiten will, wird wohl am ehesten sonnig-schwungvolle Dur-Stücke spielen. Aber auch Melancholisches kann durchaus funktionieren – vor allem wenn es den Musizierenden wirklich etwas bedeutet.

10. Koffer oder Hut?

Auch das ist Geschmackssache. Einen Hut kann man herumreichen, man sollte dafür dann aber auch eine Person abstellen, sonst ist er irgendwann weg. Vor allen Dingen müssen in Hut oder Koffer schon ein paar Münzen drinliegen. Das appelliert an den Herdentrieb, die Leute werfen eher etwas hinein, wenn andere das bereits getan haben. Zu viel Geld darf es aber auch nicht sein, sonst halten die Zuhörenden eine Spende für überflüssig. Wer Straßenmusik machen will, aber kein Geld nehmen mag, lässt die Spendenbox einfach weg.

Der Text basiert auf eigener Erfahrung – und auf Tipps von Mark Nowakowski, Autor des Buchs „Straßenmusik in Berlin. Zwischen Lebenskunst und Lebenskampf“. transcript-Verlag, 34,99 Euro

Wer mehr wissen will: Am Samstag, den 30. Juni macht Nowakowski um 14 Uhr die Stadtführung „Umsonst und draußen: Straßenmusik in Berlin“. Anmeldung unter Tel. 9 02 77 30 00 oder per Mail an vhs@ba-ts.berlin.de

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