Frühjahrsgutachten zur Konjunktur: Wirtschaft schrumpft wie noch nie

Forschungsinstitute sagen einen Einbruch von 4,2 Prozent voraus. Und das ist optimistisch. Es könnte auch schlimmer kommen.

Eine Rolltreppe ist versperrt

Menschenleeres Einkaufszentrum in Dresden Foto: Robert Michael/dpa

BERLIN taz | Die Corona-Pandemie löst eine schwere Rezession in Deutschland aus. Um 4,2 Prozent dürfte die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr schrumpfen, wie die fünf führenden Forschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten prognostizieren. Im nächsten Jahr wird sich die Wirtschaft dann wieder erholen und um 5,8 Prozent wachsen.

Die Talfahrt begann bereits im ersten Quartal, weil China als Lieferant und Kunde weitgehend ausfiel: Von Januar bis März dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 1,9 Prozent geschrumpft sein. Im zweiten Quartal wird es deutlich schlimmer. Denn nun macht sich bemerkbar, dass sich auch Deutschland in einer Fast-Quarantäne befindet: Bis Ende Juni wird die Wirtschaftsleistung wahrscheinlich um 9,8 Prozent einbrechen. Dieser Absturz wäre ein Rekord in der bundesdeutschen Geschichte; selbst in der Finanzkrise ab 2008 verlief die Rezession weitaus glimpflicher.

Die Zahl der Kurzarbeiter dürfte auf 2,4 Millionen hochschnellen, und auch die Zahl der Arbeitslosen wird um knapp 250.000 Menschen steigen: 2,5 Millionen wären dann ohne Job.

Bund und Länder bemühen sich, die wirtschaftlichen Folgen abzumildern, indem sie massive Hilfspakete auflegen. Die Gutachter erwartet daher ein Rekorddefizit von 159 Milliarden Euro. Die Staatsschulden dürften auf 70 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen, 2019 lagen sie noch bei knapp 60 Prozent.

Grundlage für die Steuerschätzung

Die Wirtschaftsforscher betonen in ihrer Gemeinschaftsdiagnose aber auch, dass der Einbruch noch deutlich schlimmer ausfallen könnte: „Die Abwärtsrisiken sind erheblich.“

Das gemeinsame Frühjahrsgutachen wird jedes Jahr von fünf Forschungsinstituten erarbeitet: derzeit vom DIW in Berlin, vom ifo Institut in München, vom IfW in Kiel, vom IWH in Halle und vom RWI in Essen. Der Auftrag kommt von der Bundesregierung, die auf dieser Grundlage ihre eigenen Berechnungen vornimmt. Auch die Steuerschätzung im Mai basiert auf dem Frühjahrsgutachten.

Vor einer Woche hatten bereits die sogenannten Wirtschaftsweisen ihre Prognosen veröffentlicht. Dieser Sachverständigenrat der Bundesregierung war damals noch etwas optimistischer und ging in seinem „Basisszenario“ davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nur um 2,8 Prozent schrumpft. Allerdings warnten auch die Wirtschaftsweisen schon, dass es deutlich schlimmer kommen könnte. Entscheidend sei, „ob es gelingt, die Ausbreitung des Coronavirus effektiv zu bekämpfen“. Noch gehen die diversen Prognosen davon aus, dass sich in Deutschland eine Entwicklung wie in China abzeichnet. Dort währten die Kontaktsperren nur wenige Wochen; inzwischen produziert die chinesische Wirtschaft wieder weitgehend ungestört.

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