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Friedensgespräche für die UkraineErweiterte Kampfstrategie

Kommentar von

Barbara Oertel

Russland erreicht nicht wie gewünscht seine Kampfziele – und wählt seine Angriffsziele gezielter aus. Zusätzlich zu den üblichen Bombardierungen.

Z ugegeben, der Mann hat Humor: Juri Uschakow, außenpolitischer Berater von Wladimir Putin, hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorgeschlagen, zu einem Treffen mit dem Kremlchef nach Moskau zu reisen. Sollte Selenskyj auf diese Offerte eingehen, könnte er es wohl bei dem Erwerb eines One-Way-Tickets bewenden lassen. Womit wir beim Thema Friedensgespräche wären. Diese sogenannten Verhandlungen, die seit Monaten stattfinden – zuletzt und auch demnächst wieder in Abu Dhabi – verdienen diesen Titel nicht. US-Außenminister Marco Rubio hat am Mittwoch dieser Woche scharfsinnig festgestellt, dass der Status des Donbass nach wie vor ein Problem sei und von einer Brücke gesprochen, die die Beteiligten noch nicht überquert hätten.

Aus gutem Grund: Da Moskau unbeirrt an seiner Forderung festhält, den im Osten der Ukraine befindlichen ganzen Donbass eingemeinden zu wollen, würde dieser Schritt nur eins bedeuten. Millionen Ukrai­ne­r*in­nen ins Verderben zu stürzen und Russland einen Freifahrtschein für künftige Feldzüge auszustellen. Offensichtlich dämmert es Moskau, dass dieses Maximalziel – eine Anmaßung an sich – auf dem sogenannten Verhandlungsweg so einfach wohl nicht zu erreichen ist. Ergo wird die Kampfstrategie entsprechend erweitert – soviel Flexibilität muss ein.

Offensichtlich reicht es nicht mehr, die Ukraine Nacht für Nacht mit Bomben- und Drohnenterror zu überziehen – mit dem Nebeneffekt, dass die Menschen den Kältetod sterben. Vielmehr werden die Angriffsziele sorgsamer ausgesucht – wie zuletzt ein Passagierzug in Charkiw.

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Und die westlichen Verbündeten Kyjiws? Sie reden und reden … Die Einlassungen von Bundeskanzler Friedrich Merz, ein EU-Beitritt der Ukraine 2027 sei unmöglich, braucht niemand. Dass dem so ist, weiß übrigens auch Selenskyj ganz genau. Doch für ihn steht der EU-Beitritt synonym für Sicherheitsgarantien. Davon ist im Moment leider wenig zu hören, dabei sind sie für Kyjiw existenziell. Worauf warten wir? Auf noch mehr Tote und weiter sinkende Temperaturen? Es ist eine Schande!

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Barbara Oertel Ressortleiterin Ausland

Geboren 1964, ist seit 1995 Osteuropa-Redakteurin der taz und seit 2011 eine der beiden Chefs der Auslandsredaktion. Sie hat Slawistik und Politikwissenschaft in Hamburg, Paris und St. Petersburg sowie Medien und interkulturelle Kommunikation in Frankfurt/Oder und Sofia studiert. Sie schreibt hin und wieder für das Journal von amnesty international. Bislang meidet sie Facebook und Twitter und weiß auch warum.
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6 Kommentare

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  • Seit die 'Taurus-Europäer' aus der 'make EU great again'-Fraktion nicht mehr mitreden dürfen gibt es immerhin erste noch sehr kleine Fortschritte, wie den Verzicht auf die Energie-Bombardierungen beim gegenwärtig lebensbedrohenden Frost-Wetter.



    Für Anton Hofreiter und Barbara Oertel sicherlich ärgerlich, aber für die Menschen in der Ukraine eine relevante Erleichterung in diesem entsetzlichen und möglichst schnell zu beendenden Krieg.



    Die EU wird sich wohl so oder so damit abfinden müssen, dass die Donbas Region nicht wie geplant in den eigenen Block fällt.



    Die Idee der NATO-Ostexpansion war von vornherein ein (bewußt und mutwillig eingegangener) Fehler und stand im Widerspruch zu einer dauerhaften europäischen Friedensordnung.



    Zeit das endlich einzusehen, bevor es noch weiter eskaliert.



    In der Kommentarspalte wird ja bezeichnenderweise bereits Napalm Einsatz propagiert ...



    Herr wirf Hirn !

    • @Anne in Pink:

      Und Sie meinen, dass es mit Putin irgendwelche Fortschritte bzgl. Frieden gibt? Woher wollen Sie wissen, dass es nach einer Taurus Lieferung noch schlimmer als gekommen wäre als es jetzt schon ist?



      Putin bombt die Ukraine/Zivilisten ohne Rücksicht im tiefsten Winter in die Steinzeit ohne, dass irgendwer was daran ändern konnte. Die NATO-Osterweiterung hat rein gar nichts mit seinem



      Krieg zu tun. Wie strategisch blöd muss er sein, da die NATO-Grenze zu Russland durch Finnland sogar noch länger geworden ist. Putin will einfach nicht, dass die Ukraine selbstbestimmt leben kann. Alles was freiheitlich-liberal ist, macht ihm Angst. Zurück zu alter sowjetischer Größe ist sein Credo.

    • @Anne in Pink:

      Danke.

  • Höchste Zeit, endlich weitreichende Waffen wie den Taurus auszuliefern, sodass die Ukraine den Angreifer auch hinter der Front ausschalten kann.

    • @PeterArt:

      Das Problem dabei sind doch unsere Politiker. Sobald jemand in Moskau nur etwas lauter wird oder böser blickt, knicken diese doch ein wie nasse Waschlappen.



      Und nicht nur den Taurus. Auch Napalm, dessen Einsatz gegen Soldaten und militärische Einrichtungen nicht verboten ist, das aber einen hohen Effekt auf den russischen Kampfeswillen hätte.

      • @Oleg Fedotov:

        Da die Taz Moderation es scheinbar für unverantwortlich hält meine erste Antwort auf diesen Kommentar zu veröffentlichen, da etwas zynisch, nun ganz nüchtern der Verweis auf die Haager Landkriegsordnung, nachzulesen auf Wikipedia:

        "Da Napalm extrem schlecht verheilende Brandwunden und große Schmerzen verursacht, fällt es nach einigen neueren Interpretationen unter die übermäßiges Leid verursachenden geächteten Waffen des Artikels 23 der Haager Landkriegsordnung."

        Ich hoffe, dass die Taz in Zukunft nicht nur zynische Kommentare als Antwort auf Aufrufe zum Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung tadelt, sondern direkt die Aufrufe zum Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung tadelt.

        Trotz Zeitenwende.